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SEPPUKU-Effekt

von Vera F. Birkenbihl 

Teil I: SEPPUKU

SEPPUKU ist ein japanisches Wort. Es beschreibt den rituellen Selbstmord, den ein Samurai beging, wenn er das Gesicht verloren hatte bzw. wenn ein Gesichtsverlust drohte. Es war für jeden Samurai aufgrund seiner Erziehung evident, daß man alles, nur nicht das Gesicht verlieren dürfte. Demzufolge akzeptierte der Samurai, daß nur der ehrenvolle Tod diese Schande auslöschen konnte.

Da die Samurais die Adeligen (= die höchste der vier sozialen Kasten Japans) waren, ist es nicht verwunderlich, daß es auch weibliche Samurais gab. Männer begingen hara-kiri (hara = Bauch), während die Damen sich die Halsschlagader aufschnitten. Angenommen, auch wir hätten die Tradition des SEPPUKU? Stellen Sie sich dies bitte einen Augenblicklang vor. Welche Konsequenzen hätte das?

  • SEPPUKU war nicht nur ein eine Pflicht, sondern auch ein Recht.
  • Selbst der niedrigste Samurai hatte ein Recht auf SEPPUKU, wenn er das Gesicht verloren hatte bzw. wenn ein Gesichtsverlust drohte.
  • Wollte man einen Samurai „loswerden“, so war dies einfach. Es genügten schon beleidigende Worte, welche sein Selbstwertgefühl angriffen, um SEPPUKU auszulösen. Aber jede Medaille hat zwei Seiten: 
  •  Wollte man verhindern, daß man einen fähigen, qualifizierten, in vielen Jahren trainierten Samurai verlor, so durfte man nie eine „dumme“ Bemerkung machen, denn diese könnte sich ja in ein SEPPUKU entwickeln. Also
    mußte auch der Chef (der Daimyo) Selbstdisziplin besitzen.

Wer konnte SEPPUKU auslösen? Zwei Personenkreise. Erstens: Alle höher stehenden Samurais und Daimyos ( also ein Chef). Zweitens: Jeder hierarchisch gleichgestellte Samurai (also ein Kollege). Fragen Sie sich bitte einmal:

  • Wieviel Ihrer Chefs hätten längst SEPPUKU begehen müssen?
  • Welche Ihrer KollegInnen?
  • Welche Ihrer MitarbeiterInnen (Kinder)?
  • Und Sie selbst, würden Sie noch leben!? 

     

Teil II: Der SEPPUKU-Effekt©

Jedesmal, wenn ein Samurai SEPPUKU begangen hätte, passiert auch bei uns ein kleiner Tod:

  • Bei jedem Angriff auf das Selbstwertgefühl (= auf das „Gesicht“) stirbt ein wenig Arbeitsfreude.
  • Bei jeder Kritik stirbt ein wenig Selbstvertrauen, die Basis für gute Leistungen und Erfolg, auch für den Erfolg des „Daimyos“.
  • Jedesmal, wenn wir rechthaberisch sind, stirbt ein wenig die Bereitschaft, sich für uns einzusetzen.
  • Jedesmal, wenn wir unsere Unfähigkeit, dem anderen zuzuhören, wieder einmal beweisen, stirbt ein wenig Bereitschaft, auf uns (unsere Ideen, Probleme, Wünsche) einzugehen.
  • Jedesmal, wenn ein Partner merkt, daß Sie nicht auf ihn eingehen, stirbt er ein wenig. Je mehr solcher Momente er erleben muß, desto stärker wird der SEPPUKU-Effekt und desto größere Probleme haben Sie, wenn Sie ihn trotzdem zu motivieren ver-suchen werden.

1. Jeder Mensch, der einem anderen die Freude am Dasein wieder ein wenig „vermiest“, der Unlustgefühle, Selbstzweifel, Gesichtsverlust u.ä. bei ihm auslöst, löst auch den SEPPUKU-Effekt aus (bzw. verstärkt ihn).
2. Jede SEPPUKU-Situation tötet ein wenig Arbeitsmoral, Freude am Lernen, die Fähigkeit zu denken und kreativ mitzuarbeiten.

Die größten Leistungen werden aber immer von Menschen erbracht, die Freude an (schwierigen) Aufgaben erleben können. Die Faszination (statt Angst vor Kritik) erleben dürfen. Diese Menschen „motivieren sich selbst“, sie wollen sich nämlich die Anerkennung ihrer Umwelt erhalten bzw. erarbeiten! Wenn dies aber nicht gelingt, dann fragen sie sich: Lohnt es sich überhaupt noch, sich einzusetzen? „Aber so kann man das doch nicht sehen!“, höre ich bei Seminaren (für Top-Manager) oft. Kann man wirklich nicht? Ist es realistischer, davon auszugehen, die vielen angeblich demotivierten Menschen (MitarbeiterInnen, Auszubildende, SchülerInnen, VerkäuferInnen etc.) seien alle selbst „schuld“? Was heißt denn „schuld sein“ überhaupt? Ist es wirklich realistisch anzunehmen, unsere armen Führungskräfte (Eltern, Lehrer, Ausbilder, Chefs etc.) könnten wirklich alle gar nichts dafür?
Denken Sie doch einmal zurück. Auch Sie waren (sind) ja Untergebener. Auch Sie arbeiteten (arbeiten) unter Führungskräften. Gab oder gibt es nicht auch für Sie Tage, an denen Ihre Mundwinkel „hängen“? Tage, an denen Sie sich über „offensichtliche“ Fehlentscheidungen Ihres „Daimyos“ ärgern? Tage, an denen Sie darunter leiden, daß man Ihre Meinung nicht hören will, daß man Sie nicht anerkennt? Oder denken Sie an die Schulzeit zurück: Wieviel Faszination und Entdeckerfreude durften Sie dort erleben? In Ihrer Ausbildung?In Ihrem Studium? An Ihrem ersten Arbeitsplatz?

Frage: Ist es nicht leichter, den SEPPUKU-Effekt zu verstehen, wenn man sich in der Rolle des Mitarbeiters sieht, dessen Arbeitsfreude
und Bereitschaft abgetötet wurde (wird)?
Diese Gedanken sind ketzerisch! D.h. sie greifen die herrschende Meinung an (= die Meinung derer, die herrschen). Sie beziehen sich auf die vielen Menschen (Kinder, Schüler, Mitarbeiter), denen der SEPPUKU-Effekt bereits geschadet hat; nicht auf die wenigen, deren Eigen-Motivation und Selbstwertgefühl so gefestigt sind, daß ihnen dieser Mechanismus wenig anhaben kann. Diese (wenigen) sind die Ausnahmen. Wichtig sind für uns die vielen, vielen Mitmenschen, die uns als „Motivations-Problem“
erscheinen, deren innere Einstellung wir beklagen. Bitte fragen Sie sich einmal, wie es um Ihre eigene Einstellung, zu sich selbst nämlich, beschaffen ist:

  1.  Sind Sie zufrieden mit sich?´
  2. Ist Ihre eigene Arbeitsmoral wirklich in Ordnung?
  3. Arbeiten Sie wirklich (noch) gerne und unter Entfaltung ihrer analytischen und kreativen Fähigkeiten?
  4. Erleben Sie noch Freude und Faszination im Leben (und bei der Arbeit)?

Je entscheidender Sie diese Fragen bejahen können, desto weniger normal sind Sie. Das ist gut – ich gratuliere ihnen. Betreffs „normal“ sagte Luke RHINEHART ja auch so treffend (in: The Dice Man):

Die Konsequenzen einer Nation aus Normalen sind offenbar: Krankheit, Elend, Brutalität … und allgemeine Freudlosigkeit.

Das ist leider auch bei uns „normal“ geworden …

Wenn Sie diese vier Fragen jedoch (zumindest teilweise) verneinen mußten, werden  Sie feststellen: Es sind gerade die Unzufriedenen, die ewigen Nörgler unter den „Führenden“ (Eltern, LehrerInnen, Führungskräften), bei denen sich der SEPPUKU- Effekt besonders ausbreitet. Zum Beispiel:

  • Eltern, die dauernd an ihre Kinder hin-nörgeln.
  • Lebens-(Abschnitts-)PartnerInnen, die alles besser wissen.
  • LehrerInnen, die Angst vor ihren Schülern haben (von denen sie dann gerne behaupten, sie seien alle total des-interessiert)!
  • Führungskräfte, die häufig mit Kritik arbeiten und sich dann darüber beklagen, daß ihre „Samurais“ nicht freudig und engagiert bei der Sache sind?!
    ´

Es ist ein Teufelskreis. Denn früher wagten die Kinder, SchülerInnen, StudentInnen und MitarbeiterInnen es noch nicht im selben Maß wie heute, die Richtlinien in Frage zu stellen. Aber das hat sich geändert! Deshalb gilt: Falls Sie betroffen sind, dann könnten Sie sich einmal fragen, ob Sie selbst bereit und fähig sind, kritisch über sich
nachzudenken. Denn: Hat man den SEPPUKU-Effekt einmal durchschaut, kann man eine Menge dagegen unternehmen. Und man stellt bald fest, daß dies mit positiven Reaktionen der anderen einhergeht. Wie man in den Wald hineinruft …

Und es ist nie zu spät! Im Gegenteil. Die beste Zeit, etwas zu unternehmen (oder zu ändern) war nicht gestern und ist nicht morgen – es ist heute, genauer: JETZT! Denn die Tendenz (zumindest teilweise) auszusteigen wächst. Viele Menschen haben damit begonnen, das (typisch westliche) Wertsystem von gestern zu hinterfragen! Sie beginnen, sich mehr dem Sein und weniger dem Haben-Müssen zuzuwenden! Sie beginnen sich zu fragen, ob unser Lebensstandard es wert ist, unsere Umwelt zu vergiften! Sie beginnen, über einige „Selbstverständlichkeiten“ des alten Weltbildes nachzudenken! Solange jedoch unsere Eltern, LehrerInnen und unsere Führungskräfte (politisch wie wirtschaftlich) nicht anfangen, diese Fragen zu reflektieren, haben wir alle keine Chance!

Teil III: Die Anti-SEPPUKU-Effekt-Strategie
(für Führungskräfte, LehrerInnen, Eltern, ManagerInnen)

Die folgende Strategie half vielen Menschen in über drei Jahrzehnten, den SEPPUKU- Effekt zu bremsen und anzuhalten, wenn er bereits ausgebrochen war bzw. ihn überhaupt zu vermeiden, wenn er noch nicht eingetreten war. Da der erste Aspekt die Vergangenheit betrifft, nennen wir ihn Schritt ZERO, weil er nur einmal nötig ist. Die anderen Schritte sollten mindestens alle sechs Monate überprüft bzw. in die Tat umgesetzt werden (bzw. die nachfolgende Strategie in Teil IV).

Der Anti-SEPPUKU-Plan

  1. Listen Sie mögliche Verletzungen im Sinne des SEPPUKU-Effektes in Ihrer Firma (Organisation, Gruppe, Abteilung) auf. Im Klartext: Finden Sie vergangene Fehler (auch jene, die nicht die Ihren sind, z.B. weil Sie eine Gruppe übernommen haben).
  2. Erzählen Sie allen Betroffenen von der SEPPUKU-Tradition – vielleicht besorgen Sie sich einen japanischen Film bzw. die US-SHOGUN Serie auf DVD und zeigen (zur Einführung in den Samurai Lebensstil) mindestens einige SEPPUKU-Szenen; in SHOGUN gibt es mehrere (Beinahe-)SEPPUKU-Szenen von männlichen (und eine von einer weiblichen Samurai).
  3.  Reden Sie mit Ihren Leuten über den SEPPUKU-Effekt und darüber, daß der eine oder andere von ihnen betroffen sein könnte, daß einige dieser Ursachen in der Vergangenheit liegen mögen und, daß Sie dies gerne überprüfen bzw. ändern möchten.
  4. Laden Sie alle MitarbeiterInnen ein, Ihnen bis Freitag nachmittag einen Brief zu schreiben, den Sie am Wochenende lesen werden. (Er kann anonym
    sein.) Darin darf man alles sagen, was man u.U. in der Vergangenheit „unfair“ fand oder Versprechen auflisten, die von der Firma noch nicht eingelöst worden
    sind u.ä.
  5. Machen Sie an diesem Wochenende keine (weiteren) Pläne! Lesen Sie die Briefe oder denken Sie darüber nach. Eine der Ängste meiner Kunden besteht darin, daß einige Leute eventuell einen Vorteil daraus ziehen könnten. Bitte bedenken Sie: Jemand, der einen Vorteil herausholen will, wurde in der Vergangenheit bereits verletzt (SEPPUKU-
    Effekt), demzufolge ist er derzeit sowieso nicht fähig, seine Arbeit besonders gut zu tun. Ob man ihn in der Schule schon zum Versager gestempelt hat, in einer früheren Firma (Abteilung) oder in dieser Firma, vielleicht sogar bereits unter Ihrer Obhut, ist vorläufig egal. Das einzig Wichtige ist, daß Sie einen „halbtoten“ Samurai in ihrer Gruppe haben. Entweder finden Sie Arbeiten, die sie/er tun kann und bauen graduell ihr/sein Selbstvertrauen auf, oder Sie helfen ihr/ihm den Platz zu finden, wo sie/er glücklicher in der Zukunft ist (vgl. TalentSuche- Dialog)*[* Falls Sie befürchten, die meisten Ihrer Leute könnten die Situation ausnützen, sind Sie entweder in der falschen Firma
    oder möglicherweise nicht die gute Führungskraft, für die Sie sich hielten …].

    Notfalls erwägen Sie eine Trennung (wir kommen in Kürze darauf zurück). In einem Fall hatten wir eine Dame, die an ihrem Arbeitsplatz geistig völlig überfordert war. Als sie gefragt wurde, was sie gerne tun würde, falls sie eine freie Wahl hätte, sagte sie, sie würde viel lieber die Snack-Bar managen. Diese Eßecke mit einigen Tischen war den ganzen Tag über offen, damit Mitarbeiter-Innen auch außer der Zeit eine Kleinigkeit zu sich nehmen und mal zusammensitzen konnten. Die Snack-Bar war im Laufe der Zeit DER soziale Treffpunkt geworden, denn die Dame hatte ein sehr starkes soziales Engagement, aber sehr wenig Interesse an der Papierarbeit, die ihr von jemandem zugewiesen worden war, der nie begriffen hatte, daß sie eine ausgesprochene „people-person“ war (vgl. BLAKE/MOUTON-Management-Grid in: Birkenbihl-on-Management; dieses Econ-Buch ist auch als e-book online lesbar). Der Witz dabei war: Dem Mann, der die Snack-Ecke damals managen mußte, war ursprünglich versprochen worden, daß er diesen Job nur temporär übernehmen sollte, weil jemand die Firma Knall auf Fall verlassen hatte. Aufgrund seiner Angst vor einem Jobverlust sagte er nichts, wiewohl er (als Samurai) bereits „halbtot“ war. Er machte Dienst nach Vorschrift (und nützte jede freie Minute, um von einem anderen Arbeitsleben zu träumen). Also hatten wir zwei halbtote Samurais, beide wurden quasi über Nacht wieder „voll“ lebendig, nachdem der Austausch vorgenommen worden war. Er war ein alter „Schreibtischhengst“,
    der sich in der Dienstboten-Position „da draußen“ nie wohlgefühlt hatte, sieliebte es, den verhaßten Schreibtisch endlich verlassen zu dürfen. Übrigens gab sie der Eßecke als erstes den Namen „(Firmenname)-Brunnen“ und installierte einen kleinen Springbrunnen, der sich bald größter Beliebtheit erfreute. Natürlich ist es nicht immer so einfach. Manchmal müssen wir mehrere Leute austauschen, um die Fehler der Vergangenheit auszubügeln – aber Sie sehen,
    wie es funktionieren könnte: Je produktions-orientierter Menschen sind, desto mehr hassen sie Aufgaben, die sie
    zwingen, häufig Small-Talk mit anderen machen zu müssen (und umgekehrt). Schon
    dieser eine Faktor sorgt bei vielen Samurai für verschiedene Stadien des „Sterbens“.

  6.  Manchmal deckt diese Prozedur jemanden auf, der nirgendwo hineinpaßt. Es ist wahrscheinlich besser, dieser Person einen goldenen Handschlag anzubieten, falls wir herausfinden, daß es wirklich absolut keinen Platz für ihre bzw. seine besonderen Talente in unsere Gruppe (Firma, Organisation, Abteilung) gibt. Das motiviert manche, die eh nicht mehr glücklich bei uns waren, den Weg nach draußen freiwillig zu finden, wiewohl sie von sich aus niemals gekündigt hätten. Das Geld hilft ihnen zu gehen – und manche Leute „passen“ ganz einfach besser außerhalb unserer Firma als innerhalb.

Manchmal sagen Kunden mir, daß sie es bereuen, durch die Schritte (1 bis 5) eine solche Person gefunden zu haben. Aber bitte beachten Sie: Falls man die Person auf diese Weise nicht gefunden hätte, wäre die Tatsache, daß sie „halbtot“ war, ja nicht aufgehoben. Sie hätte u.U. in Zukunft eine Menge Schaden angerichtet und viele andere Samurais mitgerissen. Wenn wir langfristig denken, ist es besser, solche Fälle zu finden, ehe der Schaden zu groß wird. Firmen (Abteilungen, Organisationen), in denen zu viele Samurais zu sterben begonnen haben, zeichnen sich durch ein unangenehmes Klima aus: hoher Krankheitsstand und/oder Mobbing, Pseudo-Dienst (persönliche Bereicherungen, Korruption etc.).

Viele MitarbeiterInnen können durch einen Wechsel innerhalb der Firma oder (Ring-)Tausch eine Position aufgeben, die sie gehaßt haben, wie im Fall der Snack-Bar (es folgen noch sechs weitere faszinierende Beispiele in Teil IV). Manchmal kann man auch unangenehme Arbeiten (die keiner machen will) ein wenig fairer auf alle verteilen, statt daß eine/r es allein machen muß oder ähnlich. In einer anderen Firma galt es, einen Automaten mit frischen Sandwiches aufzufüllen, nachdem der Küchenblock ausgelagert worden war. Der neue Subunternehmer lieferte preiswert, hatte aber nicht die Zeit, die Anlage aufzufüllen. Das übernahmen jetzt von sieben Mitarbeitern per Lotterie jeden Tag einer und dasProblem war gelöst. Diese wenigen Minuten dreimal täglich zu investieren, wohl wissend, daß jeder einmal dran ist, wird als fair empfunden. Die Lotterie am
Wochenanfang sorgt für Unterhaltung und wenn es jemanden in einer Woche mehrmals trifft, hat er zum Schaden auch noch den freundschaftlichen Spott. Aber es ist der Spott derer, die MIT ihm lachen, nicht über ihn. Sie sehen: Es gibt fast immer Lösungs-Möglichkeiten, aber mindestens ebenso wichtig ist, daß Sie herausfinden, was los ist.

Teil IV: TALENT SUCHE
Ein besonderer Dialog

 Es ist komisch, aber viele Menschen haben keine Ahnung, was sie gerne tun würden, wenn sie die Möglichkeit dazu hätten. Deshalb habe ich eine Strategie entwickelt für jene, die es selbst herausfinden möchten (vgl. mein e-book: „Das Talent-Portfolio“, auf dieser Website). Falls eine vertrauenswürdige Person uns helfen möchte, können wir uns jedoch auch die Fragen der folgenden Seite stellen. Es ist wichtig, daß die Antworten rasch gegeben und aufgezeichnet werden, so daß man sie zu einem späteren Zeitpunkt (wieder) hören kann (bzw. man jederzeit anhalten und nachdenken kann). Es ist ebenso wichtig, ähnlich lautende Fragen genau so zu verlesen, wie sie formuliert wurden, weil hinter den Fragen eine bestimmte Absicht steckt. (Da der Frage-Zyklus sich in vielen Seminar- und Coaching-Jahren ausgezeichnet bewährthat, wäre es schade, seine Effizienz durch Änderungen zu schmälern, oder?)
Ich wurde oft gefragt, ob man die Fragen auch schriftlich beantworten kann; die Antwort lautet: „Jein“. Genauer: zu 90 % NEIN. Erstens neigen wir dazu, anderen Gedanken zu folgen, wenn wir sprechen; es liegt näher am Denken (wir reden ja mit uns selbst). Wenn Sie nicht regulär SCHREIBEND DENKEN, erhalten Sie möglicherweise eine Antwort aus der „falschen“ Ecke Ihres riesigen Unbewußten. Zweitens können Sie sehr viel schneller sprechen als schreiben. Falls jemand die Fragen für Sie aufzeichnen würde (mit einer 25-Sekunden-Pause nach jeder Frage), dann könnten Sie sie später allein durchgehen. Das wäre vielleicht ein guter Kompromiß (falls die Frage in Wirklichkeit eher im Sinne eines: „Kann ich die Aufgabe nicht ohne Zeugen lösen?“ gedeutet werden muß. Ein Samurai wurde ein guter Samurai, wenn er berufen war. Dann wußte er, daß er tat, wozu er geboren worden war. Er hatte die Chance, einer der Besten zu werden, indem er seine Stärken auslotete und seine Talente systematisch trainierte. Ein Samurai war besser im Pfeilschießen, ein weiterer mit dem Schwert und ein dritter mit der Planung einer Reiseroute durch unbekanntes Terrain. Auch wir müssen herausfinden, auf welchem Gebiet wir am besten sind, um das Beste geben zu können.

10 Fragen und Antworten

  1. Angenommen, Sie würden 5 Millionen Euro (steuerfrei) gewinnen, was würden sie zuerst mit dem Geld anfangen?
  2. Gibt es Hobbies und Interessen, für die Sie in den letzten Jahren leider keine Zeit fanden, die Sie gern wieder aufgreifen würden? (Welche?)
  3. Ein halbes Jahr später (also nach der Weltreise, der Kreuzfahrt etc.): Wo leben Sie jetzt?
  4. Wie leben Sie? (Beschreiben Sie etwas detaillierter, aberschnell!)
  5. Was tun Sie vormittags?
  6. Was tun Sie nachmittags?
  7. Was tun Sie abends?
  8. Wieviel Zeit investieren Sie in Ihr Hobby oder Ihr besonderes Interessensgebiet (vgl. oben)?
  9. Gibt es neue Interessen, denen Sie gerne nachgehen wollen, für die Sie in der Vergangenheit leider nie Zeit hatten, oder zu denen Ihnen bisher das Geld gefehlt hatte?
  10. [Dies ist die einzige Frage, bei der man nachdenken darf]: Angenommen es wäre eine Webcam installiert, die Sie ununterbrochen filmen würde, während Sie wach sind. Ich würde durch einen Zufallsgenerator 10 Szenen pro Tag auswählen (und wir würden dies mindesten 10 Tage wiederholen, die per Zufall ausgewählt wurden) und wir beide würden die Szenen gemeinsam ansehen: Bei welchen Tätigkeiten würden wir Sie am häufigsten erwischen? Vielleicht möchten Sie die Fragen mit FreundInnen und NachbarInnen testen (wobei diese auch Sie befragen), bevor Sie sie in ihrer Firma (Organisation) einsetzen. Tatsache ist: Wenn die Leute sich vorstellen, wie sie ihre Zeit verbringen würden, wenn Geld keine Rolle spielt, fallen ihnen lauter Aktivitäten ein, die sie lieben. Diese Aktivitäten sind ein viel besserer Indikator wo unsere wirklichen Talente liegen.

Die letzte Frage (die keinesfalls in Isolation gefragt werden darf) ist ein mächtiges Denk-Tool. Lassen sie mich einige Fallbeispiele aus meiner Berater-Vergangenheit
anbieten. MitarbeiterInnen sagten z.B.:

  1. Per Handy telefonieren: Diese Herr merkte durch den Dialog, daß er es liebt mit Menschen zu reden, die nicht persönlich anwesend sind. Kann dieser Charakterzug positiv genutzt werden? In der Firma mußte er mit den Kunden persönlich reden. Er hatte sich immer für eine Person gehalten, die gerne mit anderen Menschen zusammen ist, aber die Antworten im Dialog hatten ihm gezeigt, daß er eigentlich eher dazu neigte, sich zurückzuziehen. So würde er (ohne die Notwendigkeit, Geld zu verdienen) z.B. endlose Tage im Wald damit zubringen, das Tierleben zu beobachten, und zwar ganz allein. Bei Frage 10 wurde ihm klar, daß er Kontakte auch liebte, aber eben keine persönlichen. Darüber dachten er und sein Vorgesetzter einige Tage nach und dann hatten sie eine großartige Idee: Heute sitzt er in Parkanlagen mit Handy und Laptop. Von dort aus beantwortet er die Hotline (was in diesem Fall zumeist bedeutet, daß Leute sich bei ihm beschweren). Er hat alle Informationen griffbereit, weil er im Intranet der Firma surfen kann. Er ist zwar allein, aber nicht einsam. Er tut, was er liebt – und zwischen den Anrufen riecht er an den Blumen … Sie verstehen, was ich meine.
  2. Fachzeitschriften lesen: Dieser Herr hatte während seines Studiums und seiner Doktorandenzeit immer gerne dafür gesorgt, daß er up-to-date blieb. Dann wechselte er ins Arbeitsleben und fand nie mehr die nötige Zeit, dieselben Fachjournale wie früher zu lesen. Es wurde ihm jedoch niemals bewußt, aber es fraß an ihm. Das Ergebnis war, daß er ständig versuchte, in jeder freien Minute (abends, an Wochenenden) den wissenschaftlichen Anschluß zu finden, womit er zum „Langweiler“ innerhalb der Familie wurde. Niemals fühlte er sich frei, mit seinen Söhnen zum Angeln zu gehen (und wenn doch, dann können Sie raten, was er mitnahm, um zu lesen). Man mußte meist in seiner Nähe leise reden, weil Papa wieder mal las. Der Dialog zeigte ihm, daß er sich in den Szenen vor der letzten Frage auf einem großen Kreuzfahrtschiff gesehen hatte, wie er wochenlang die gleiche Route nahm, sich glücklich auf einem großen Deckstuhl sonnte und stapelweise seine Lieblingszeitschriften las. Aber die zehnte Frage brachte es ans Licht: Einerseits war er sehr überrascht und andererseits fühlte er sich befreit, als er endlich verstand, daß er regelrecht süchtig danach war, auf dem Laufenden zu sein. Nun war ihm wirklich klargeworden, daß es für ihn eine absolute Notwendigkeit war, up-to-date zu bleiben. Aber heute begriff er erstmals auch, daß er es ganz einfach liebte, diese Art von Informationen aufzunehmen und über diese Art von Fakten und Ideen zu reflektieren. Das war eine der Sitzungen, wo ich als Coach die Fragen stellte. Später spielten
    wir die Aufnahme seiner Chefin vor. Als wir zur Frage 10 kamen, fing sie an breit zu grinsen. „Das ist großartig“, sagte sie, „ich suche seit Wochen eine Person und jetzt hocken Sie hier, direkt vor meiner Nase. Das ist ja lustig.“ Es ergab sich, daß sie und einige Manager sich in der Entscheidungsphase befanden; sie planten eine eigene (neue) Fachzeitschrift zu lancieren, um eine Plattform zu besitzen, damit sie u.a. auch eigene Innovationen veröffentlichen konnten. Aber sie wollten ein echtes unabhängiges Magazin schaffen, das in einigen Jahren allgemein als wichtig anerkannt werden sollte. Deshalb brauchten sie einen Redakteur, der das Fachgebiet gut kannte. Aber so ein Mann (damals gab es noch keine „herausragende“ Frau in dieser Branche) wäre als Vollzeit-Redakteur eingangs nicht ausgelastet und daher zu teuer, bis die neue Zeitschrift sich im Markt behauptet hätte. Ab dann würden viele Autoren sich bewerben, dann wäre es ein Fulltime-Job, aber jetzt … Nun hatte sie ihren Mann, der als Teilzeit-Redakteur sofort starten konnte und einen großartigen Job machen würde. Ab jetzt gehörte das Lesen der anderen Blätter zur Arbeitsplatzbeschreibung, müßte also nicht mehr heimlich und in den Zeiten geschehen, in denen die Familie es ihm übelnahm. Natürlich war er gewillt mit der Aufgabe zu wachsen und sich zu einem professionellen Redakteur zu entwickeln. So konnte ein weiterer gefährdeter Samurai zum Nutzen der Firma und seiner selbst „gerettet“ werden. Seine Familie war wirklich glücklich über diese Entwicklung. Studien zeigen immer wieder: Gute Samurais haben ein glückliches Familienleben.
  3. Im Meeting sitzen: Dieser Mensch liebte Meetings. Er war ein „mittlerer“ Manager und die Briefe seiner Mitarbeiter (siehe Anti-SEPPUKU-Plan, S. 6 ff.) zeigten, daß er ständig Meetings einberief. Nun wurde ihm klar, WARUM. Er LIEBTE Meetings. So einfach war das. Nachdem sein Chef das auch verstand, sprachen sie gemeinsam von seiner Fähigkeit, sehr schnell zu begreifen, was die Leute sagen und dies anderen unmittelbar berichten zu können. Gibt es eine Nische in den meisten Organisationen für solche Menschen? Da können Sie Gift drauf nehmen! Dieser Mann wurde der wichtigste Repräsentant der Firma (in der Funktion einem Botschafter vergleichbar): Er durfte ab jetzt jeden Kongreß besuchen, bei denen potentielle Kunden teilnehmen würden (Teilnehmer können wunderbar Kontakte knüpfen!). Desweiteren würde er das Firmenteam ab sofort zu Ausstellungen begleiten, und er würde selbst Konferenzen „einberufen“, von Presse-Konferenzen bis zu Kunden-Parlamenten oder Meetings mit Subunternehmern. So konnte man von seiner großartigen kommunikativen Fähigkeit profitieren. Es war angenehm mit ihm in einem Meeting zu sein, aber nicht zehnmal in derselben Woche. Die Gruppe, die er ursprünglich gemanagt hatte, beschloß sich ab jetzt nur noch einmal pro Woche zu treffen, um Infos weiterzugeben und zu diskutieren. So waren alle Betroffenen viel glücklicherals vorher.
  4. Am Computer arbeiten: Diese Dame war eigentlich eingestellt worden, um bestimmte Arbeiten am Computer auszuführen, was sie auch gerne tun wollte. Aber die tägliche Routine erforderte es, daß sie regelmäßig das Telefon der Kollegin abnehmen mußte, die es anscheinend für nötig fand, ständig irgendwo im Haus herumzurennen, um mit irgendwelchen Leuten zu reden. Was die Dame ebenfalls nervte war, daß andere Leute den Kopf häufig zur Türe hereinsteckten, um die abwesende Kollegin zu suchen und zu fragen, wo jene sich wohl gerade aufhalten könnte. Nach einer Weile hatte die Frau am PC ein Magengeschwür entwickelt. Der Dialog zeigte ihr zum ersten Mal, was eigentlich los war, und sie konnte ihrem Chef jetzt klar sagen: „Entweder ich bekomme meine eigene Ecke – egal wie klein –, wo ich ohne permanente Unterbrechungen und ohne Telefon arbeiten kann, oder ich muß eine andere Stelle suchen, wo man mich endlich arbeiten läßt.“ (Menschen, die genau wissen, was sie tun, werden überall gesucht, im Gegensatz zu un[aus]gebildeten Arbeitsuchenden.) In diesem Fall war jene gesprächige Kollegin ja deshalb permanent herumgerannt, weil ihre Kollegin am PC nicht bereit war, öfter mit ihr zu reden. Nachdem sie eine neue Kollegin bekommen hatte, mit der sie sich zwischendurch immer wieder mal einige Minuten lang austauschen konnte, arbeiteten auch diese beiden Damen bald ziemlich kompetent zusammen. Es gibt Leute, wie jene gesprächige Kollegin, die eine große „menschliche Insel“ in ihrer Arbeit benötigen. Was mich wirklich freute war, was ich erfuhr, als ich ein Jahr später wieder dort war: Sogar unsere PC-Frau war inzwischen zu einer guten Freundin der gesprächigen Dame geworden. Sie konnte sie nur zuvor nicht ausstehen, weil diese sie damals von ihrer Arbeit abgehalten hatte. Aber nach Feierabend und an Wochenenden machte es ihr durchaus Freude, Zeit mit ihr zu verbringen(solange sie während der Arbeitszeit ungehindert ihren Job tun konnte).
  5. Im Regen tanzen? Diese Person hatte einen Job angenommen, um genügend Geld zu verdienen, um wöchentlich mehrere Fitneß-Sessions zu finanzieren. Fitneß war ihm das Wichtigste. Als er sich vorstellte, als Millionär zu leben, wurden ihm zwei Dinge klar: ERSTENS wäre er fähig, sämtliche Fitneß- Studio-Gebühren zu finanzieren, ZWEITENS war seine „große Reise“ (die sich die meisten Menschen wünschen) ein Trip durch das eigene Land, um Fitneß-Studios zu begutachten. Aber bald „sah“ er, wie er ein Fitneß- Center um die Ecke seiner Wohnung kaufte, damit er dort alles genauso einrichten könnte, wie er es wollte. Bald sah er sich in seiner Vorstellung das
    Center managen, weil er begriff, daß er zwar gerne 15 bis 20 Stunden pro Woche trainieren würde, nicht aber nicht 50 bis 90. Dies war einer der Coaching Dialoge, die wir in einer Coaching Sitzung  machten (in kleinen Firmen oder Abteilungen großer Firmen ziehen die Leute einen neutralen Partner vor). Als wir den Dialog seinem Chef vorspielten, reagierte dieser „normal“, als er sofort meinte: „Nun, ich sehe keine Nische in unserer Firma …“ Aber das geschah anno 1995, als mehr und mehr Firmen
    begriffen hatten, daß zu viele Leute übermäßig Fast-Food essen und sich nicht genug bewegen. Einige Firmen hatte bereits damit begonnen, firmeneigene Fitneß-Center zu installieren. Dabei stellten sie fest: Die Krankheitsrate sank und die Stimmung stieg und blieb oben. Darauf wies ich hin und schlug, in
    Hinblick auf die Langzeit-Vorteile, einen Kompromiß vor: Die Firma mietet bestimmte Stunden in einem nahe gelegenen Fitneß-Studio, wo die MitarbeiterInnen trainieren und frei über Firmeninterna reden konnten, da sie unter sich waren. Unser Mann würde in diesen Zeiten als Vermittler zwischen Fitneß- Center und Firma anwesend sein (und ebenfalls trainieren können). Zwei Jahre später eröffnete die Firma übrigens ihr eigenes internes Fitneß- Studio – und vor wenigen Wochen hörte ich, daß man einen DVD-Beamer mit einem großen Monitor bei der Ergometer- und Laufband-Station installiert hat, so daß man dort jetzt u.a. auch vfb Live-Vorträge (bzw. Episoden meiner TV-Serie) sehen kann. Hmmm, ich glaube, das gefällt mir …
  6. Lehren: Dieser Herr hatte einst in der Ausbildungs-Abteilung der Firma begonnen. Von dort hatte ihn einer der Seminarteilnehmer in seine Abteilung abgeworben und er hatte zugestimmt, da dieser ein Mann nach seinem Geschmack gewesen war. Leider wechselte sein neuer Chef später zu einer anderen Firma und unserem Samurai war ein neuer „Daimyo“ vor die Nase gesetzt worden, den er nicht mochte. Inzwischen hatte sich herausgestellt, daß der Job öde war und er sehnte sich in die Trainings-Abteilung zurück. Ihm war aber nie wirklich klar gewesen, daß er damals nur wegen dieser Person gewechselt hatte, er hatte sich eingeredet es sei die Aufgabe dort gewesen. Das ist ein gutes Beispiel für die Art von Dingen, die herauskommen können, wenn man den Dialog mit einer Person durchführt, der man trauen kann. Nachdem ihm seine Situation klargeworden war, entschied er sich mit seiner ehemaligen Vorgesetzten in der Trainings-Abteilung zu sprechen. Diese Dame war froh, ihn wieder zurück zu bekommen und forderte ihn durch offizielle Kanäle an. Bald war er wieder dort, wo er sich wesentlich wohler fühlte und man seine Leistung zu schätzen wußte.

Ich könnte ihnen noch viele weitere Beispiele schildern, aber ich denke Sie verstehen, worum es geht. Es gibt relativ viele MitarbeiterInnen, die nicht sehr glücklich mit Ihrer Arbeit sind und deren Vorgesetzte davon nichts ahnen. Deshalb neigen die Leute dazu, Schuld zuzuweisen und herumzunörgeln. Betroffene Chefs halten wenig von ihren Angestellten, diese halten wenig von ihrer Firma oder Kunden (die einen dauernd bei dem unterbrechen, was man landläufig als „Arbeit“ bezeichnet.) Es gibt viele Firmen und andere Organisationen, die von der Anti-SEPPUKU-Effekt- Strategie profitieren könnten, falls jemand sie implementieren würde. Aber wer? Sie vielleicht? Wann möchten Sie denn beginnen?

Quellen

Text: Teil I und II: Vortrag auf einem Kongreß in Darmstadt (1983 oder 1984), später ein Abschnitt in meinem Taschenbuch Erfolgs-Training. Teil III war eine firmeninterne
Seminarunterlage für einen holländischen Kunden (© 1999) und Teil IV (bisher unveröffentlicht!), erscheint erstmals in diesem e-book, © 2005.
Zu den Werken von Vera F. Birkenbihl Ausführliche Informationen über alle Bücher, DVDs, Videos, Ton-Kassetten etc. finden Sie (im Shop) auf meiner Website www.birkenbihl.de

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Denk-Roulette oder Das Gedankenkarussell

Eine Problem-Löse-Technik für Gruppen, um bessere Einzelentscheidungen zu treffen.

Von Vera F. Birkenbihl

Diese Technik aus den USA habe ich erstmals in meinem Buch „ABC-Kreativ“ (Ariston Verlag) beschrieben.

Die folgende Methode stellt eine faszinierende Art dar, mithilfe einer Gruppe eine bessere Einzelentscheidung zu treffen! Ich beschreibe Ihnen zuerst das Prozedere und Sie versuchen, sich ein Bild zu machen: Sie brauchen eine Gruppe, um diese phänomenale Technik aus den USA einzusetzen. Auch die Erfahrungen mit deutschen TeilnehmerInnen waren außerordentlich gut, zum Beispiel in

  • Seminaren,

  • Workshops,

  • Meetings,

  • Konferenzen, aber auch in Clubs und Vereinen.

Ich nenne die Technik Denk-Roulette oder Gedanken-Karussell. Es spielen mindestens fünf Paare. Es können auch mehrere Paare gleichzeitig teilnehmen. Bei größeren Gruppen teilen Sie die Gruppe auf und spielen parallel in zwei Gruppen à maximal zehn Paare. Bilden Sie zwei Kreise: einen inneren und einen äußeren. Die SpielerInnen innen blicken nach außen, die äußeren schauen die inneren SpielpartnerInnen an, so dass je zwei Personen ein Paar bilden. Wichtig: Die Menschen im INNEREN Kreis möchten erste Ideen zu einer Fragestellung sammeln, mit der sie ins Meeting gekommen sind. Beim nächsten Treffen können die Teilnehmer umgekehrt spielen und die außen stehenden SpielerInnen werden den inneren Kreis bilden. ZIEL des Karussells ist es, Feedback, Ideen, Assoziationen zu einem spezifischen Problem von den SpielpartnerInnen zu erhalten. 

Spiel-Aufstellung

 

 

 

 

 

Spiel-Aufstellung

 Der Ablauf:

  1. Auf ein Signal (zum Beispiel Glockenzeichen) hin schildern die SpielerInnen im inneren Kreis den PartnerInnen im äußeren ihr Problem.
  2. Nun sprechdenken die Personen im äußeren Kreis spontan, was ihnen durch den Kopf geht. Dies können sowohl einzelne Stichworte als auch ganze Sätze sein. Es geht keinesfalls darum, eine fertige Problem-Lösung anzubieten! Ziel ist es, erste Assoziationen mitzuteilen. Kann jemand eine konkrete Lösung anbieten, so ist dies erlaubt, aber nicht Pflicht. Nach Ablauf der vorgegebenen Zeit ertönt das Signal. Bei Anfängern geben Sie 90 Sekunden, bei Fortgeschrittenen 60 und bei Profis reicht eine halbe Minute.
  3. Nun wandert der innere Kreis im Uhrzeigersinn eine Person weiter und Schritt 1 wird wiederholt. Danach Schritt 2 und Schritt 3 usw. bis jeder mit allen im Kreis gearbeitet hat.
  4. Jetzt machen Sie eine Pause von mindestens einer Stunde, damit jede Person aus dem inneren Kreis ihre Gedanken konsolidieren kann. Nun kann man auch noch einmal zu einer anderen Person aus dem äußeren Kreis gehen und sie bitten, einen Gedanken näher auszuführen. Wenn am gleichen Tag eine zweite Runde gewünscht wird, dann mit vertauschten Rollen NACH dieser Pause.

Die Vorteile dieses Vorgehens:

Schon die Tatsache, dass die MitspielerInnen wissen, sie müssen ihr Problem in 30 bis 90 Sekunden schildern, zwingt sie, sich im Vorfeld genügend Gedanken zu machen, sodass sie fähig sind, ihr Problem sauber zu präzisieren. Es bringt viel, wenn man das Problem mehrmals hintereinander frei formulieren muss. Beim dritten oder fünften Mal begreift man das Problem besser als am Anfang!

Erste Assoziationen sind „alte“ Gedankenverbindungen aus dem Wissen des Betreffenden. Deshalb kann man hinterher oft zu den Assoziationen zusätzliche Informationen oder Ideen erfragen. Der Bäcker wird eher mit Ideen aus der Backstube reagieren, der Fußballer eher vom Sportplatz sprechen. Dadurch sammelt man verschiedenste Aspekte in kürzester Zeit, die jeweils neue eigene weiterführende Assoziationen auslösen können!

Merke: Je unterschiedlicher die Erfahrungen der Anwesenden, desto vielfältiger werden deren Assoziationen sein und desto reichhaltiger die Ausbeute für die FragestellerInnen. 

Also spielen Sie nicht nur mit Kollegen aus der eigenen Abteilung, sondern lieber mit Mitarbeitern unterschiedlicher Fachbereiche. Dann finden Sie im äußeren Kreis neben den Ingenieuren auch Softwareentwickler, jemanden  aus dem Marketing und als Nächstes den Vertreter aus dem Controlling, gefolgt von der Sekretärin etc. Also sind die Reaktionen auf Ihr Problem umso unterschiedlicher! Wer die Gespräche mit Diktiergerät aufzeichnet, muss erstens nichts notieren und hat trotzdem keine Angst, etwas zu vergessen. Zweitens kann er/sie sich die Aufzeichnung später mehrmals anhören. Da kann es sehr wohl passieren, dass uns beim vierten Mal (zum Beispiel beim Sport am Abend) etwas auffällt, was zuvor nicht bewusst registriert worden war. Drittens bleiben Kapazitäten frei, um etwas anderes aufzuschreiben, nämlich EIGENE Assoziationen, die durch die Ideen der anderen ausgelöst werden. Diese können Sie nur durch eine Notiz festhalten.

Merke: Mit solchen Ideen ist es wie mit Träumen: Wir neigen dazu zu denken „das merke ich mir“, aber Minuten später haben sie sich aufgelöst.

Deshalb notieren, auch wenn Sie glauben, eine Idee, die gerade IN IHNEN aufsteigt, sei so bombastisch, dass Sie sie nie wieder vergessen könnten. Ich garantiere Ihnen: Sie können 

 … Durch das geruhsame Nachfassen nach dem Basis-Spiel kann man einige Aspekte vertiefen, die besonders spannend waren. Das ganze Spiel ist oft ähnlich hilfreich wie eine Sitzung mit einem TEUREN BERATER, es kann sogar wesentlich ergiebiger werden.

Die Frage bestimmt die Antwort:

Wie Sie Ihr Problem schildern, hat wesentlichen Einfluss darauf, welche Art von Lösungen Sie (nicht) finden können. Fragen Sie zum Beispiel „Warum passiert so etwas immer mir?“, dann wird Ihr Geist eine Antwort auf DIESE Frage suchen. Ähnlich beginnt Ihr Geist zu suchen, wenn Sie (sich) fragen, was Sie konkret unternehmen können, um eine Situation zu verändern. Dasselbe gilt, wenn Sie mit Ratgebern sprechen, und das Gedanken-Karussell entspricht ja einer Ratgeber-Situation. Schildern Sie Ihr Problem weinerlich, dann ernten Sie eher Mitleid, aber Sie werden weniger konstruktive Ideen einsammeln. Vielleicht tröstet es Sie, aber das ist nicht gerade hilfreich für tatkräftiges Handeln, um ein Problem zu lösen. Die folgenden beiden Spielregeln können helfen:

Schildern Sie das Problem möglichst intellektuell stimulierend! Und: lassen Sie frühere Problemlösungen aus, damit Sie Ihre GesprächspartnerInnen nicht in irgendwelche geistigen Sackgassen führen, in denen Sie selbst vielleicht schon sitzen. . .

 

 

 

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Virtuelle Realität (VR)

Vera F. Birkenbihl

Es folgen im „Telegrammstil” einige „Knackpunkte” zur Virtuellen Realität (virtual reality), welche sowohl im Englischen wie im Deutschen mit VR abgekürzt wird. Beginnen wir mit der Idee hinter VR: „Virtuell” entspricht einem Als-Ob; „Reality” heißt „Wirklichkeit”, also handelt es sich bei VR um eine simulierte Wirklichkeit. Nun neigen gerade wir „ernsten” Deutschen dazu, Simuliertes abschätzig zu betrachten. Simuliert ist ja „nicht real” und kann schon deshalb nicht „gut” sein, schließlich lieben wir das „Echte”, das „Authentische”, nicht wahr?

Ein amerikanischer Denker (LEVINE) hat einen großartigen Drei-Satz geschaffen:

  1. Vor zweieinhalbtausend Jahren erfand die Menschheit die De-Duktion; man lernte aus vorhandenen Informationen (vor = prä, misse = gegeben), also aus Prämissen zu schlußfolgern und man lernte, daß solche De-Duktionen Her-Leitungen (Heraus-Führungen) waren, die den großen Vorteil hatten, wahr zu sein, sofern alle Prämissen wahr gewesen waren. Dies ermöglichte es den Denkern im alten Griechenland bereits logisch zu schließen, daß die Welt aus Atomen bestehen müsse, daß die Erde rund sein müsse, daß sie nicht im Zentrum des Universums stehen könne. Der letzte Gedanke war politisch so inkorrekt, daß man ihn ca. 2000 Jahre lang verneinen konnte, bis er dann bewiesen wurde. In Klartext: Mit der De-Duktion gelang dem Menschen nach vielen hunderttausend Jahren ein geistiger Quantensprung, der blühende Entwicklungen (wissenschaftlicher, kultureller, ja sogar wirtschaftlicher Art) nach sich zog.
  2. Vor ca. 3 Jahrhunderten erfand der Mensch die In-duktion. Er lernte analogisch (nicht logisch!) von wenigen Beispielen auf den Rest zu schließen, von einer Teilmenge auf das Ganze und dies beschleunigte das Tempo wissenschaftlicher Findungen (!) um einiges! Diese Art, nicht logisch, sondern a-logisch zu denken stellte einen weiteren Riesenschritt für die Menschheit dar, denn er erleichterte die Schöpfung der sog. „wissenschaftlichen Methode” (Beobachten, Hypothesen bilden, weiter beobachten, Hypothesen in Thesen umwandeln etc), und erlaubte somit ein gigantisches Sprießen in alle Richtungen (wissenschaftlich, kulturell und wirtschaftlich). Aber nachdem wir hunderttausende von Jahren brauchten, bis zum ersten GigaDenk-Schritt und gute 2000 für den nächsten, liegt der letzte de facto noch in unserer Gegenwart
  3. Vor einigen Jahrzehnten erfand der Mensch virtuelle reality. Zwar konnten wir auch davor mental so manches in einer geistigen „Simulation” vorwegnehmen (vom genauen Pläneschmieden bis zur Vorfreude). Aber nun gibt es zwei Arten von VR, die die Welt verändern: a. Sci.Viz (wissenschaftliche Sichtbarmachung von zuvor unvorstellbaren Dingen/ Prozessen (von den intrazellulären Vorgängen über die subatomaren bis zu den astrophysischen (wann haben Sie zuletzt gesehen, wie eine Galaxie sich langsam entrollt?), und b. (physische) VR, z.B. in Form eines Simulators, mit dem wir das Cockpit einer Boeing simulieren können oder die Fahrerkabine eines LKW. Aber, noch wichtiger, wir können Dinge simulieren, die wir uns bisher kaum vorstellen konnten, z.B. das Zusammensetzen einzelner Atome um zu testen, welche Kombinationen welche Art von Moleküle ergeben werden.

Diese Technologie wird unsere Welt mehr verändern als das Auto oder das Telefon!

Das sage ich jetzt seit 1994 im selben Tonfall, aber langsam kann man es absehen. So beginnen wir langsam immer mehr von gewissen Auswirkungen dieser Entwicklung zu hören/lesen, z.B. maßgeschneiderte neue Medikamente, die bestimmte Zelltypen in bestimmter Art „kontakten” sollen. Erste Nano-Technologie-Produkte – nicht nur Nano-Roboter in unseren Arterien, sondern das frei wählbare Zusammensetzen von Molekülen um nie dagewesene Materialien mit nie dagewesenen Eigenschaften zu kreieren, z.B. spinnwebenartige Textilien, die sowohl federleicht als auch kugelsicher sind) etc., werden entwickelt. Es folgt eine (leicht upgedatete) Seminar-Unterlage (von 1995),für den ersten Überblick, falls Ihnen das alles noch neu ist:

  1. VR ist eigentlich Simulation… VR ist die „Fortsetzung” der Simulations-Technik, wenngleich auf wesentlich „realerem” Niveau und hat seine Wurzeln in Simulationen für Düsenjäger-Piloten.
  2. Der Helm … Der „komische” Helm (inzwischen bereits um einiges kleiner und leichter) wird als Head Mounted Display (HMD) bezeichnet und wurde ursprünglich für Düsenjäger-Piloten während realer Flüge (!) entwickelt, damit sie 1. nicht länger mehr als 20 einzelne Instrumente kontrollieren mußten, was bei Über-Mach-Geschwindigkeiten schon deshalb schwierig ist, weil der Pilot mit so großer Schwerkraft in den Sitz gepreßt wird, daß er teilweise fast ohnmächtig wird 2. bei Nacht- und Nebelflügen die visuellen Infos, welche RADAR und INFRAROT-Sensoren boten, in Form einer vereinfachten Darstellung (zeichentrickfilm-ähnlich) wirklich sehen konnten.
  3.  Der Daten-Handschuh… Der ebenso „eigenartige” Datenhandschuh (DATA GLOVE) wurde ebenfalls für Kampfpiloten im realen Flug entwickelt. Denn die Steuerknüppel (deren verkleinerte Version später zum „Joystick” wurde) hatten damals so viele Knöpfe und Tasten, die mit einer Hand  „nebenbei” und in großer Geschwindigkeit bedient werden mußten. Man nannte es „Piccoloflöte spielen”, denn der notwendige Grad an Fingerfertigkeit ist vergleichbar groß. Nur mit dem Unterschied, daß der Flötenspieler nicht mit Mach-1 oder Mach-2 in den Sitz gepreßt wird…
  4. VR hilft, einzelne Atome zu neuen Molekülen (oder Peptiden) zusammenzusetzen… Gerade auf diesem Gebiet geschehen derzeit Zeichen und Wunder. Ich rate Ihnen dringend, Howard RHEINGOLD (Buch auf deutsch: „Virtuelle Realität”) zu lesen. Er beschreibt die Arbeit der Pioniere auf diesem Gebiet, die mindestens 25 neue Industriezweige schaffen werden…
  5. Ohne Helm und Datenhandschuh geht es auch bald… Zu den Vorreitern auf allen modernen Anwendungsgebieten mit Computern gehört das Media Lab vom MIT (dessen Gründer, Nicholas NEGROPONTE das bahnbrechende Buch Total digital geschrieben hat, das ich ebenfalls empfehle!). Derzeit (das war 1995! Noch immer ist von den Ergebnissen nicht viel nach draußen gedrungen) arbeitet man am Media Lab daran, „sensible” Möbel und Wände zu entwerfen, so daß eines Tages weder Helm noch Daten-Handschuh nötig sein werden. Für die Fans von „Startrek-Enterprise – the next generation” (Die Staffel mit Captain Picard etc.) gilt: Auch das HOLODECK in Star Treks ENTERPRISE, DEEP SPACE 9 und VOYAGER war eine großartige Vision, die eines Tages Realität werden wird; virtuelle Realität nämlich!
  6. Zukünftige Anwendungen werden unter anderem sein:                                                                                                                                                                                                                                           1. Professionelle Simulationen aller Art. So werden z.B. Autofahrer „erleben”, wie es ist, ein Reh oder ein Kind totzufahren. Je mehr Menschen diese Erfahrung virtuell machen, desto seltener werden sie in der sog. realen Wirklichkeit. Oder Sportler können ihre Sportart in Zeitlupe durchlaufen und langsam neue Bewegungsabläufe erlernen, so daß es letztlich schneller geht, weil sie so langsam beginnen können….                                                                                                                                                                                                              2. Professionelle „Fernsteuerungen” per VR: Schon heute operieren Chirurgen teilweise mit Hilfe extrem starker Mikroskope, deren Bilder sie auf einem TV-Monitor verfolgen. Zum Beispiel bei Augenoperationen oder im Gehirn bzw. wenn es gilt, die feinsten Blutgefäße zu „reinigen” etc. In der Zukunft wird der Chirurg statt des flachen TV-Bildes eine drei-dimensionale VR erleben, was solche schwierigen Vorgänge um ein weiteres erleichtern wird. Diese Technik wird längerfristig u.a. folgende Konsequenzen haben: 1. Medizin-Studenten können in einem VR-Operationssaal üben 2. Wenn man die Daten bei einer echten Operation vom Mikroskop zum Tischübertragen kann, dann kann die Übertragung eines Tages via Internet auch um die Welt oder bis zum Mond gehen. Experten rechnen daher damit, daß in 10 – 20 Jahren solche Fernoperationen möglich werden, was bedeutet: Es gibt keine medizinisch schlecht versorgten Gebiete mehr, wenn zumindest das nötige technische Equipment vorhanden ist, auf welche die Bewegungen „ferngesteuert” übertragen werden können.  Was jedoch heute (2002) schon der Fall ist: Ärzte können einen kompetenten Kollegen bitten, ihnen via Internet über die Schulter zu schauen und ihnen, wenn schon (noch) nicht mit Tat, so doch mit ihrem professionellem Rat zu helfen.                                                                                                                                                            3. Private Simulationen: Sie werden nicht nur jede Sportart in VR ausüben können, sondern sogar Sportarten bei denen Sie gegen eine zweite Person spielen wollen (von Squash bis Fechten). Natürlich werden ersten derartige Simulations-Möglichkeiten erst in einigen Jahren auf dem Markt erscheinen und voraussichtlich noch mit Helmen und Datenhandschuhen (Media Lab rechnet mit ca. 15 Jahren Entwicklungszeit für das helm- und handschuhlose Projekt).                                                                                                                             4. VR-Lernen. Dies ist eines der wichtigsten Nutzungsgebiete der VR, zu welchem Sie z.B. im Internet unter dem Stichwort Sci.Vis hochinteressante Beiträge finden. Sci.Vis steht für Science (Wissenschaft) Vision (oder: visuell), also eine völlig neue Art des Begreifens im wahrsten Wortsinn (s. auch Punkt 5). Vorläufer sind heute bereits faszinierende CD-ROMs, die es ermöglichen über Animationen schwierigste mathematische Zusammenhänge zu verstehen (zu „sehen”). Ebenso geben Trickfilme ganz neue Ein-Blicke von der Welt der Zellen oder der Moleküle (s. Punkt 6) bis zu Begriffen der Astrophysik (schwarzes Loch mit Ereignishorizont) oder abstrakten Konzepten aus allen Wissensbereichen, die früher einfach „unvorstellbar” waren…                                                                                                                                                                                                                                    5. Abenteuerreisen – „irreale”: Es gibt bereits eine CDROM (flache, 2-D-Bilder) mit einem originellen Ansatz: Sie erleben die Welt aus der Perspektive eines Hundes. Was zunächst wie eine Spielerei wirkt, könnte spannende Einsichten bieten: In VR wären solche Erlebnisse für viele Tierarten möglich (jede/r könnte als Jane GOODALL unter Schimpansen leben, oder unter Wölfen, oder unter Tintenfischen und Walen), was unglaubliche Lerneffekte sowie Einsichten und Einfühlungsvermögen schulen würde…Weiter wäre es denkbar, wie im SF-Roman Phantastic Voyage von Isaac Asimov eine „Reise” in den Körper zu unternehmen oder sich das Immunsystem „echt” virtuell aus der Nähe zu betrachten bzw. mit Freßzellen zu „interagieren” etc. Der Quantensprung für den menschlichen Geist gleicht dem, der nach dem Erfinden der Schrift ermöglicht wurde, nur daß es diesmal weit schneller geht…                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                     6. Abenteuerreisen – „reale” von bedrohten Naturschutzgebieten, in die möglichst keine Touristen mehr körperlich eintreten sollen über die Grabkammern in den Pyramiden, die durch das Ausatmen hunderttausender Touristen so stark angegriffen wurden bis hin zu VR-Reisen in die Tiefen des Meeres, in Vulkane, in den Weltraum (einmal die Erde als „lebenden Organismus sehen”) oder gleich zum Mond… Man darf die bahnbrechenden Möglichkeiten nicht unterschätzen. Nicht nur werden hier völlig neue Industriezweige entstehen, es werden sich auch manche wandeln bzw. in ihrer jetzigen Form verschwinden. Nummer 4 & 6 werden eine neue Synthese eingehen: VR-Lernen und „irreale” Abenteuerreisen ist eine totale Wissensrevolution. Haben Lehrer früher geklagt, daß sie im Wettbewerb zum Fernsehen das Interesse der Schüler/innen nicht mehr fesseln könnten – die neueren VR-Lern-Techniken machen Schule im herkömmlichen Sinn obsolet. Entweder die Schule wird sich grundlegend wandeln (soziale Kompetenzen vermitteln, Teamarbeit und Projekte, die selbstständiges Arbeiten und Forschen ermöglichen) oder sie ist „mega-out”. Wohlgemerkt, wir sprechen hier über den Zeitraum von 2010 – 2020 (wie ich 1995 bereits feststellte!)                                                                                                                                                                7.  Just-in-Time Lernen: Lebenslanges Lernen impliziert die Fähigkeit, sich lebenslang auch mit neuen Themen zu befassen. Wenn die Halbwertszeit des Wissens ständig sinkt, wird „echtes Lernen” nötig, kurzfristig und auf ein Datum (z.B. für eine Präsentation) hin. Aber mit VR-Technologien wird das leichter denn je. Denn „Lernen” heißt ja körperlich „erfahren” und „begreifen”, somit kann man sich dann sehr schnell und kurzfristig auf einen bestimmten Wissensbereich einstellen, um ihn anschließend (wen der Zeitpunkt vorbei ist, für den man just-in-time gelernt hatte) weiterzuverfolgen oder ad acta zu legen…                                                                                                                                                                  8. Vorher erleben und Fehler vermeiden! Wenn man Gebäude vorher „real” begehen kann, dann stellt man Fehlplanungen vor dem Bau fest. Howard RHEINGOLD berichtet von einem neuen Anbau an der University of Carolina, bei dem man beim „virtuellen Begehen” vorab feststellte, daß eine geplante Säule enorm im Weg gewesen wäre. Er konnte es zunächst nicht glauben, als man in dem Gebäude stand und es ihm schilderte. Daraufhin ließ man ihn die original geplante Konstruktion virtuell begehen und er war platt… Von Gebäuden über Räume (OP bis Küche) über U-Boote und Raumschiffe bis zu neuen Geräten (Produkten), die man fertigen will.                                  9. VR-Sex… Natürlich wird auch so etwas möglich sein, worüber die Medien sich immer wieder lautstark aufregen. Aber bitte bedenken Sie: 1. Es handelt sich um einen Bruchteil späterer Anwendungsmöglichkeiten, über den jedoch ein Großteil der VR-Debatten stattfindet. 2. Warum hat noch niemand laut gesagt, was VR-Sex für Behinderte bedeuten könnte, die z.T. absolut keine/n Partner/in finden können, nicht zuletzt, weil viele meinen, „so ein” Mensch habe wahrscheinlich überhaupt keine sexuellen Bedürfnisse. Und denken Sie doch einmal an viele einsame, schüchterne Mauerblümchen-Typen und Menschen, die (z.B. durch Unfall oder Feuer) so verunstaltet wurden, daß sie niemanden finden, dessen Herz ihr Aussehen verkraften kann… 3. Stellen Sie sich vor, daß Ehepartner, die räumlich weit getrennt leben müssen, sich zumindest „ziemlich nahe” kommen können – immer noch besser als gar nichts.

Im Klartext: Vor lauter Sich-Erregen (man beachte die Wortbildung) hat noch keiner der Leute, die ich bisher gehört habe, auch nur einen Gedanken daran verschwendet, ob das Ganze nicht auch positive Aspekte haben könnte.

Im übrigen gilt für VR-Sex wie für Porno im Internet das gleiche: Über den geringen Anteil an Porno (an dem allerdings klotzig verdient wird) wird soviel geredet, daß potentielle Nutzer Null Bock (oder völlig falsche Hoffnungen) auf das INTERNET bekommen. Ob da vielleicht Methode dahintersteckt? Oder ist das eine Auswirkung der Tatsache, daß Medienmacher und Journalisten halt am meisten über das reden, wovon Sie etwas verstehen…? So hört man in den Medien so gut wie nichts über wissenschaftliche Recherchen im Internet, man erfährt nirgendwo, wie man eine Suchmaschine intelligent bedient oder wie man in solchen Kreisen chattet – da trauen sich viele nicht ran, weil sie zu wenig wissen…

Das war eine Mini-Auswahl von Möglichkeiten für VR-Techniken der Zukunft!!!

 

Beste Quellen für Einsteiger in die Thematik (inkl. all derer, die bisher dachten, VR sei nur eine Nintendo-Spielchen-Variante!):

  1. RHEINGOLD, Howard: Erstens eines seiner Bücher (Virtuelle Welten) sowie zahlreiche Internet-Beiträge von ihm, insbesondere auch zu Sci.Vis (vgl. Punkte 4 und 6) … www.RHEINGOLD.com
  2. NEGROPONTE, Nicholas: Erstens das Buch des Media-Lab Begründers Total Digital sowie zahlreiche Internet-Beiträge von ihm … 
  3. Frank OGDEN, better known as Dr. Tomorrow, has an interesting website: Cyberdenone.com
  4. PM (die Monatszeitschrift) hat zu manchen dieser Schwerpunkte immer wieder Artikel gebracht und wird es in der Zukunft wieder tun.

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Steine im Fluss – wie bereitet man eine Rede (oder Präsentation) professionell vor

von Vera F. Birkenbihl

Diese Technik stellte ich erstmals 278 TrainerInnen im Sheraton Hotel in München vor (auf der Jubiläums-Tagung: 25 Jahre Birkenbihl). Später wurde sie in meinem Buch „Rhetorik – Reden für jeden Anlaß“ veröffentlicht, sowie in einem Sonder-Druck von EDDING und im neuen „Stroh im Kopf?” ab 36. Auflage. Dieses e-book ist eine redaktionell überarbeitete Neu-Ausgabe. Es ist geht um die (oft gestellte) Frage:

Wie bereitet man eine Rede (oder Präsentation) professionell vor?

Nun, ich möchte Sie warnen: Ich verrate Ihnen gern, wie ich auch heute noch (!) jeden meiner neuen Vorträge/Seminare (bzw. neue Module in Seminaren) vorbereite, aber es ist mit Arbeit verbunden (ha!). Dieses ist der Weg, der maßgeblich zu meinem Erfolg beigetragen hat (ich bin seit langem auf ca. 2 Jahre im Voraus ausgebucht und betreibe seit 1975 keinerlei Akquise für firmeninterne Veranstaltungen. Die einzige Werbung, die Sie je gesehen haben können, ist Info über ein offenes Seminar (wann, wo, wie teuer etc.). Aber es gibt keinen Prospekt, kein Material über Veranstaltungen, die firmen– oder gruppenintern abgehalten werden (man würde z.B. die U.S. Army nicht als Firma bezeichnen).

Grundlage der Metapher ist eine alberne Story, eine jener Wander-Geschichten, die man in verschiedenen Ländern findet, in denen es darum geht, daß jemand anscheinend über Wasser geht und sich am Ende herausstellt, es war nichts übernatürliches, sondern, er wußte lediglich, wo die (von etwas Wasser bedeckten) Steine liegen. Denn es geht doch darum, daß wir „fließend“ sprechen (der Fluß), sowie, daß wir, wenn das Wasser zu tief wird und wir ins Schwimmen geraten könnten, auf STEINE IM FLUSS springen und wieder festen Boden unter den Füßen gewinnen können.

Je vertrauter uns der Inhalt ist, desto mehr Steine befinden sich schon im Fluß, je neuer das Thema, desto stein-loser ist dieser Fluß(abschnitt) und desto gefährlicher wird es für uns. Da ich die feste Meinung vertrete, daß unser Publikum keine Ansammlung von „Versuchskaninchen“ ist, müssen wir unser Training vor dem eigentlichen Vortrag erledigen. Deshalb nennen wir den Personenkreis, mit dem ich vorab (im Trockendock) üben kann, „Versuchskaninchen“. Der Begriff tauchte unter den Betroffenen auf und hat sich irgendwie eingebürgert (ist also nicht abschätzig gemeint). Der Erfinder sagte einmal, als ich das Prinzip erklärte: „Bei Ihnen möchte ich gern Versuchskaninchen sein“, einige andere nickten und baten in die Liste aufgenommen zu werden und so ergab es sich…

Steine im Fluß© ist also mein Ausdruck für die eigentlichen Wissens-Module im Vortrag. Dabei handelt es sich um Informations-Einheiten. Manche sind relativ klein (sagen wir, ein kurzes Fallbeispiel), manche können ganz schön groß sein und ein 15-Minuten-Modul beinhalten. Das ergibt sich im Lauf der Zeit. Und diese großen wie kleinen Steine im Fluß bieten Ihnen Sicherheit, weil Sie genau wissen, wo sich diese Steine befinden. Daher geben sie Ihnen jederzeit sicheren „Halt“. Dabei beinhaltet diese Metapher zwei Aspekte: Neben den Steinen gibt es da noch den Fluß: Etwas boshaft ausgedrückt, könnte man sagen: Manche RednerInnen stehen in einem Tümpel; nach den ersten 3–5 Stunden haben sie kaum noch Neues zu bieten. Andere stehen in einem kleinen Bächlein, wieder andere in einem Fluß. Aber manche befinden sich in einem Fluß ohne Steine, deshalb müssen sie alles ablesen und klammern sich krampfhaft an Rednerpult oder Manuskript… so daß die Doppel-Frage an Sie lautet: Wieviel Fluß (Themen, Wissensgebiete, mit denen Sie sich befassen) und wieviel Steine (in welchen Teilen des Flusses) haben Sie bisher erarbeitet?

Ich bereite meine Steine im Fluß auf folgende Art und Weise vor: Wenn ich neue Konzepte entwickle, dann notiere ich meine ersten und zweiten Stichworte und Grundgedanken. Ich lege mir interessante Zitate zurecht, die ich vielleicht zitieren oder paraphrasieren möchte. Ich versammle Materialien, die vielleicht ein gutes Fallbeispiel enthalten, das dazu paßt, auch wenn diese Quellen ganz andere Themen behandeln! So lege ich mir z.B. ein Kinderbuch über Zaubertricks griffbereit, weil ich möglicherweise einen der Tricks als gehirn-gerechten Einstieg in mein neues Modul verwenden will.

Stufe 1: Die erste Rohversion

Nun setze ich mich mit einem Kassettengerät hin und spreche die erste Rohversion auf Band. Ich spreche immer frei und ich rate Ihnen dringend, keinen Vortrag „auszuformulieren“ und dann abzulesen. Das dürfen Top-Führungskräfte, die einmal im Jahr auf der Hauptversammlung ihrer Händler „eine Rede halten“ müssen, wiewohl diese Aufgabe ihnen absolut nicht liegt! Aber wenn professionelle LehrerInnen, RednerInnen und TrainerInnen unfähig sind, schon während der Vorbereitungen frei zu zu formulieren, dann sollten wir uns fragen, ob sie im richtigen Beruf sind! Schließlich geht es doch darum, Gedankengänge, die Sie bereits „verarbeitet“ und zu Ende gedacht hatten, der nächsten Entwicklungs-Stufe zuzuführen, indem Sie jetzt lernen, sie aktiv auszudrücken… (Fußnote: Wenn meine Rohversion Nr.1 fertig ist, dann ziehe ich als erstes eine Kopie. Nichts wäre schlimmer als ein Bandriß, wenn es einem gerade gelungen ist, einen schwierigen Sachverhalt einigermaßen klar zu erläutern…) Nun hören Sie diese erste Variante mehrmals: beim Autofahren (fast nebenbei!), beim Gassigehen, in der Küche usw. Wenn Sie die Rohversion anhören, dann versuchen Sie, zwei Fragen zu beantworten:

  1. Was ist mir bereits besonders gut gelungen? Wo ist eine Formulierung geglückt? Wo ist mir spontan ein schönes Fallbeispiel eingefallen? Welche Assoziationen zu einer Übung hatte ich, wo ich sage „an der Stelle könnte man die Übung einsetzen” oder so ähnlich?
  2. Was gefällt mir (noch) nicht? Das fällt Ihnen spätestens beim dritten Anhören auf. Beim ersten Mal sind Sie vielleicht noch volkommen von Ihrer eigenen Brillanz gefangen. Vor allem am Anfang, wenn Sie die Übung die ersten Male machen. Deshalb suchen Sie beim wiederholten kritischen Abhören die Schwachstellen.

Übrigens befürchten manche KollegInnen, das wiederholte Hören würde sie langweilen. Lassen Sie mich Ihnen garantieren: Was Sie selbst beim dritten oder vierten-Mal „zu Tode langweilt“, das nervt Ihre Zuhörer bereits beim ersten Mal. Anders ausgedrückt:

Ein guter Text (ob sachlich oder Literatur) gewinnt mit Wiederholungen, weil er REICH an Exformationen („zwischen den Zeilen“) ist und wir jedesmal andere Aspekte herauspicken und diese heute mit unseren gestrigen Erfahrungen und heutigen Hoffnungen, Zielen, Motiven etc. eine neue Verbindung eingehen (gegenüber dem letzten Hören).

 

Das heißt: Sie haben einmal auf Band gelesen (1. Rohversion) und mehrmals abgehört, ehe Sie den nächsten Entwicklungs-Schritt „beschreiten“, denn erst, wenn Sie die beiden Fragen (Was war schon gut? Was war noch schlecht?) beantworten können, hat es Sinn, die zweite Rohversion auf Band zu sprechen. Das, was Ihnen gut gefallen hat, werden Sie beim zweiten Durchgang (fast automatisch) wieder „bringen“, eben weil es Ihnen gefallen hat.

Und an den Stellen, an denen Sie noch schwach waren, arbeiten Sie jetzt. Sie können ja jederzeit zurückspulen und Teile neu sprechen oder pausieren, während Sie nach Worten suchen. Das ist sehr einfach.

Übrigens, wenn mir die eine oder andere Passage auf einer Rohversion besonders gut gelungen ist, dann überspiele ich diesen Teil (Kassette zu Kassette direkt) auf die nächste Rohversion, damit ich diese Stelle mehrmals hören kann. Bald kann ich diesen Zufallserfolg bewußt nachvollziehen!

Stufe 2, 3, 4…: Die nächsten Rohversionen

Nun wiederholen Sie diesen Duktus so oft wie nötig!

Ich mache für manche Vorträge einige (!!) solcher Roh-Versionen! Ich investiere oft vier bis fünf Tage in ein 45-Minuten-Referat für einen Kongreßbeitrag (bei neuem Material). Damit meine ich vier bis fünf Arbeitstage, d.h. ich fange einige Wochen vorher an, denn ich will ja alle Rohversions-Kassetten mehrmals hören. Wenn ich Wochen vorher mit der ersten Rohversion anfange und mir diese auf den nächsten zwei, drei Reisen unterwegs im Auto anhöre, dann mache ich (zuhause oder unterwegs) die zweite Rohversion, die ich dann auf der nächsten Reise höre… Ich mache oft sechs bis sieben Rohversionen (in Ausnahmefällen mehr). Rechnen Sie mit: Sie hören jede Rohfassung zwei bis drei Mal!

Wenn Sie dann vor dem Publikum stehen, dann gehen Sie das Material zum 20. bis 25. Mal durch. So merkt kein Mensch, daß es für Sie neu war. Genaugenommen ist es ja mit dieser Technik für Sie nicht mehr (sooooo) neu.

Allein oder mit „Versuchskaninchen“?

Manche Menschen, insbes. Leute, die seit Jahren diktieren und gewohnt sind, alleine in ein Mikro zu sprechen, ziehen das alleinige Arbeiten vor. Andere aber kommen sich „doof“ vor, wenn Sie alleine ins Gerät sprechen sollen. Auch gibt es Inhalte, die sind für uns selbst noch so neu, daß wir ein Echo brauchen, ein Feedback, wie es bei anderen ankommt. Da ziehen wir es vor, mit einer Person darüber zu reden. Auch wenn es um Dinge geht, die Ihnen besonders schwerfallen, dann suchen Sie sich einige Gesprächspartner, die Sie spontan anrufen können. Sagen Sie ihnen, Sie seien mal wieder in den Vorbereitungen für einen neuen Vortrag und fragen Sie, ob der andere JETZT (oder sehr bald) Zeit für Sie hat. Bei solchen Telefonaten lasse ich ebenfalls ein Kassettengerät mitlaufen.

Wichtig ist, daß Sie solche Gespräche nur mit Menschen führen, mit denen Sie vorher abgeklärt haben, daß sie Ihnen als „sounding board“ helfen wollen. Das heißt, die Funktion dieser Menschen während diesem Telefonat besteht darin

  • Ihnen zuzuhören und
  • aktiv mitzudenken!

Diese Menschen dürfen Ihnen jetzt keinesfalls jede erste Assoziation erzählen, die ihnen beim Hören einfällt! „Versuchskaninchen“ stellen Verständnis-Fragen oder äußern Einwände, wenn sie etwas nicht verstehen oder absolut nicht akzeptieren können. Diese Menschen geben uns Gelegenheit, eine gute Rohversion zu produzieren, bei der die Tatsache, daß wir unsere Gedanken einem lebendigen Menschen vortragen (nicht nur dem Kassettengerät) unseren Vortrag dramatisch verbessern kann. Diese Menschen müssen sich darüber klar sein, daß wir diese Kassette später mehrmals hören wollen und äußern daher nur Fragen/Einwände, die das Verständnis ermöglichen sollen. Sonstige Einfälle an Begebenheiten aus ihrem Leben können sie uns hinterher gerne erzählen, aber nicht, während wir den Vortrag üben, sonst verlieren wir den Fluß unserer Gedanken. Denn:

Wenn Sie lernen, „laut“ zu denken, werden Sie feststellen, welch wunderbare zusätzliche Assoziationen Ihnen während des Sprechens einfallen werden!

(Es gibt übrigens einen großartigen Aufsatz von Heinrich von KLEIST „Über das allmähliche Verfertigen der Gedanken beim Reden“, der als Monografie aufgelegtwurde, mit einem Parallel-Kommentar von mir, vgl. http://www.birkenbihl.de (in „Schublade“VFB; dort: „Bücher“). Und weil dieser Partner nur Verständnis-Fragen stellenoder wichtige Einwände vorbringen wird, aber keinesfalls in persönliche Reflexionen(„Ich hatte neulich auch so eine Sache“) verfällt, erhalten wir ein Gefühldafür, ob Teile des Vortrages vielleicht noch weit unklarer sind, als wir dachten (oderumgekehrt!).

Natürlich kann so ein Meeting Face-to-Face stattfinden, aber wenn man weit auseinander wohnt… Außerdem arbeiten manche Menschen am Telefon weit konzentrierter.

Das Ziel: Viele Steine im Fluß

Wenn Sie regelmäßig so vorgehen, schaffen Sie im Lauf der Zeit viele Steine im (langen) Fluß. Somit werden Sie immer sicherer und souveräner, denn es gibt mehr und mehr Steine, auf die Sie jederzeit springen können.

Wer nur fünf Steine im Fluß hat, dem fällt es noch relativ schwer, bei einer Unsicherheit zum Thema XY eine passende Assoziation zu einem der fünf Steine zu bilden, um auf diesen Stein zu hüpfen. Haben Sie hingegen 15 Steine im Fluß, dann fällt dies schon leichter, und bei 55 Steinen gibt es kaum ein Thema, bei dem Sie -falls Sie „ins Schwimmen“ geraten – nicht lässig auf einen Ihrer Steine springen können!

So werde ich zum Beispiel oft gefragt, wie ich es schaffe, auf Fragen so spontan antworten zu können, ob nach einem Vortrag (vgl. meine Video-Vorträge) oder in der ALPHA-Sendung im B3, als ich im Studio live auf die Zuschauer-Fragen einging. Nun, die Antwort ist leicht: Ich habe einen langen Fluß geschaffen, und an vielen Stellen Steine hinterlegt.

Lassen Sie mich Ihnen eine zweite Metapher anbieten; diese bezieht sich auf Ihren heutigen Vortrag bzw. Ihre heutige Präsentation (z. B. vor einer Gruppe von potentiellen Kunden): Sehen Sie Ihren Vortrag als FLÄCHE, und zwar als die Fläche eines (flachen) Streichholzbriefchens, oder einer Streichholzschachtel.

 

Steichholzschachtel

Steichholzschachtel

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Und nun fragen Sie sich ganz ehrlich: Wie groß ist die Fläche Ihres Wissens zum heutigen Thema in Relation zu dieser kleinen Fläche? Eine Postkarte? Ein DIN-A-5-Blatt? DIN-A-4? DIN-A-3?

DIN A 4 - Blatt

DIN A 4 - Blatt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Antwort sagt Ihnen, wie sicher Sie sein werden. Wenn Sie mindestens ein DIN-A-4-Blatt an Hintergrundwissen besitzen, von dem Sie heute nur die Streichholzschachtel-Fläche vortragen, dann werden die meisten Fragen in Ihr Hintergrundwissen „treffen“. Dann fühlen Sie sich zurecht sicher. Und wenn man ab und zu nichts weiß, kann man souverän mit den Schultern zucken und sagen: „Weiß ich nicht? Hat einer der Anwesenden eine Ahnung…?“ (Wobei ich zu 98% wenigstens eine gute Quelle weiß, die dem Fragesteller weiterhilft, wenn ich schon selbst nichts sagen kann, weil man ein Gebiet erwischt hat, das mich noch nie sehr interessiert hat…).

Reden lernt man nur durch….?

Wir alle kennen den alten Trick: Schreiben lernt man nur durch Schreiben. Analog gilt natürlich auch: Reden lernt man nur durch Reden! Warum benehmen wir uns dann oft so, als könne man am Schreibtisch sitzend mit Papier und Stift (oder Computer) eine hervorragende Rede vorbereiten? Wir wissen, daß es nicht geht.

Wenn Sie ein(ig)e Roh-Version(en) durchlaufen haben, dann ergibt sich zwangsläufig die Sicherheit, die Sie brauchen, wenn Sie diese zum ersten Mal öffentlich vortragen wollen.

In meinem „Klassiker“ (über eine halbe Mio. verkaufte Exemplare) „Stroh im Kopf?“, zeige ich (ab 36. Auflage), daß die Technik identisch ist, wenn wir uns auf eine Prüfung vorbereiten. Genaugenommen betrachte ich jeden „Jungfern-Vortrag” als Prüfung! Nur mit einem Unterschied: Diese Leute haben oft bezahlt (oder wenn einer meiner Kunden seine Kunden einlädt, dann hat er die finanzielle Verpflichtung übernommen), d.h. meine Vorbereitung zeigt allen, wie ernst ich meine eigene Leistung nehme und wieviel diese Menschen mir bedeuten. Und das spüren die Menschen! Ist das ein Vortrag von der Stange oder ist die Zusammenstellung, die Reihenfolge, die Abfolge der keinen Experimente speziell auf diese Zielgruppe zugeschnitten? Hat sich dieser Redner Mühe gegeben, uns etwas zu bieten? Hat die Rednerin sich auf uns vorbereitet oder zieht sie nur vorgefertigtes aus der Schublade und „spult es nun ab“? Sehen Sie, das sind die beiden Gefahren: Zwischen UNVORBEREITET (keine Steine im Fluß) und heruntergespultem „Zeug“ – irgendwo dazwischen werden wir uns finden, und das bestimmt, wie unsere Hörer unser heutiges Thema „finden“…

Schluß-Tip

(Ja, ich stehe, wie die FAZ, zur alten Schreibweise. Bei „Tip“ fällt es besonders auf.)

Noch ein Tip: Schneiden Sie Ihre eigenen Veranstaltungen ab und zu mit!

Der Ton reicht vollkommen. Zusatz-Tip: Bei großen Veranstaltungen muß das heute niemand mehr erläutern, sogar die TeilnehmerInnen schneiden hemmungslos mit, ohne auf die Idee zu kommen, zu fragen, ob sie fürfen. Aber bei kleinen („intimen“) Seminar-Gruppen ist es immer noch sinnvoll, kurz zu begründen,was Sie tun: Erklären Sie den Teilnehmern, daß Sie an sich arbeiten wollen und daß Sie diese Aufzeichnung später studieren wollen. Ich habe früher bei Kleingruppen immer darauf geachtet, daß ich bei Übungen abschalte, aber heutzutage, nach „Big Brother” und tausenden von Nach-mittags-TV-Shows ist das kein Thema mehr. Viel wichtiger ist, daß heute einige Teilnehmer kommen werden und Sie um eine Kopie bitten. sorgen Sie also rechtzeitig dafür, daß Sie dies schnell bewerkstelligen könen (6 Wochen später ist nicht optimal). Betonen Sie, daß Sie auf diese Weise eigene Schwachstellen finden können, weil Sie Ihren Vortrag im Nachhinein hören werden. Erfahrungsgemäß finden die Teilnehmer es toll, daß auch ein/e Trainer/in noch an sich arbeitet. (Ein) besseres Signal können Sie gar nicht setzen. Wenn Sie solche Mitschnitte haben, und die z.B. auf Reisen, im Auto immer wieder hören (mindestens drei- bis viermal pro Kassette), dann gewinnen Sie dreifach:

  1.  Wenn Sie beim drittenmal zusammenzucken, weil Sie sich bei einer „dummen Bemerkung“, einer Wissenslücke (dem 150. „phänomenal“ zwischen Mittags- und Kaffeepause) oder was immer ertappen, dann wird Ihnen sehr klar, woran Sie tatsächlich arbeiten wollen.
  2. Sie werden auch „good points“ begegnen, Momenten, in denen Ihnen beim Sprechen eine neue Metapher eingefallen ist, Sie eine neue Frage spontangut beantwortet haben etc. Auf diese Weise können Sie die Dinge „retten“, die man in einer guten Veranstaltung selbst hinzulernen könnte, wenn man sie nachher bewußt registrieren könnte. Ich wußte in den ersten Jahren anschließend oft, daß ich irgendeine tolle Antwort gegeben hatte, konnte sie aber oft genauso wenig re-konstruieren, wie einen Traum, vielleicht, weil unmittelbar eine weitere Zusatzfrage gekomen war und ich keine Zeit hatte, meine Eindrücke bewußt zu registrieren.
  3. Sie sammeln emotionale Reaktionen. Zum Beispiel stellen Sie beim Abhören fest, daß Sie an bestimmten Stellen Gelächter, Applaus oder andere Anzeichen von Betroffenheit „geerntet“ hatten. Testen Sie in Vorträgen der nächsten Tage und Wochen, ob Sie beim nächsten Mal eine ähnliche Reaktion auslösen. So sammeln Sie einige Rede-Elemente mit vorhersagbaren emotionalen Reaktionen!

Auf diese Weise entwickeln Sie im Laufe der Zeit nicht nur intellektuelle (sachliche) sondern ganz unterschiedliche Steine im Fluß: „Funny stones“ z.B. Diese können Sie später jederzeit gezielt „anspringen“, wenn Sie gerade einmal einen eher leichteren Touch benötigen.

Spätestens seit meinen beiden Video-Vorträgen zu „Humor…“ und „Lachen…“ sowie meinem Buch „Humor – an Ihrem Lachen soll man Sie erkennen“ habe ich mich ja als eine Person „ge-OUT-et“, die der Meinung ist, daß man Humor „allen Ernstes“ einplanen und im Vortrag/Seminar zur Geltung bringen sollte. Dies ist ein integraler Teil des gehirn-gerechten Vorgehens – immer gewesen. Leider wurde ich bis vor einigen Jahren dafür oft „geprügelt“ (wo kämen wir denn hin, wenn im Seminar gelacht würde), wobei die Angriffe nie von Teilnehmern kamen, nur von Wettbewerbern und von der Presse. Inzwischen nennt man es Info-Tainment und jetzt ist es „in“, da Heiterkeit, Lächeln und Lachen dermaßen günstige neuro-physiologische Auswirkungen auf Körper und Geist haben… Aber das ist eine andere Geschichte…

Ein Kommentar

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Sprachen lernen leicht gemacht – gehirn-gerecht für Autodidakten

Auszug aus „Stroh im Kopf?“ (ab Aufl. 36)

T – Sprachen lernen – gehirn-gerecht/BIRKENBIHL-Methode©

Das alte Sprachenlernen

Sehen wir uns das traditionelle Fremdsprachenlernen kurz an. Bitte beachten Sie, daß manche der sogenannten „modernen“ Methoden die gleichen Probleme mit sich bringen wie die klassische Methode, z.B. wenn man den Lernenden sagt, sie sollten (dürften, könnten!) von Anfang an (in der Zielsprache) sprechen. Deshalb stellen die vielen „modernen“
Methoden (wie auch manche Kassetten-Sprachkurse auf dem Markt) den Lernenden vor die gleichen Schwierigkeiten wie das Schullernen.

Die klassische Methode: Vier Schritte

Schritt 1: Vokabeln lernen

Problem: Von den Lernenden wird erwartet, daß sie neue Wörter aussprechen oder zumindest murmeln, von denen sie noch nicht einmal den korrekten Klang kennen. Typische Beispiele: Deutsche, die Englisch lernen, sprechen stumme Buchstaben aus, sie lernen [knaif] anstelle von „knife“ oder [wrait] für „write“. Wörter, die neue Laute (z.B. das „th“) enthalten, werden völlig verunstaltet. Einer meiner Seminarteilnehmer erzählte, wie er ursprünglich gelernt hatte, für „although“ [altaf] zu sagen!

Gefahr: Falsche Aussprache führt zu zwei Nachteilen:

  1. Wenn Lernende später das Wort hören, können sie es nicht wiedererkennen (weil die korrekte Aussprache unbekannt ist). 
  2. Lernende werden später nicht verstanden (aufgrund der falschen Aussprache). Bitte bedenken Sie, daß es sehr schwierig ist, später umzulernen, nachdem bestimmte Fehler sich bereits eingeschlichen haben.

Schritt 2: Der (krampfhafte) Versuch, die Lektion zu verstehen

Problem: Lernende erleben Schwierigkeiten, weil sie – sogar wenn die Vokabeln gut gelernt wurden – die Worte isoliert lernen (z.B. put mit vielen möglichen Übersetzungen), während im Kontext nur eine der Möglichkeiten den Sinn beschreibt. Welche Übersetzung ist diesmal die richtige? Und wenn die Lernenden die Vokabeln nicht gut gelernt haben (was die Regel ist), werden sie sich hilflos, frustriert, ja sogar „dumm“ vorkommen und erstens folgern: Fremdsprachenlernen ist sehr schwierig und zweitens: „Ich habe kein Talent dafür.“

Gefahr: Dies schafft negative Erwartungen, die später „wahr“ werden (sich selbst erfüllende Prophezeiung) und so solche Annahmen wiederum bekräftigen.

 Ich wiederhole: Es ist schwierig, solche Annahmen später zu vergessen, deshalb ist es viel schwieriger, Menschen dazu zu bringen, mit der Birkenbihl-Methode anzufangen, als sie später bei der Stange zu halten, während normalerweise das Gegenteil zutrifft (die Leute fangen mit Enthusiasmus an, der schnell verpufft).

Schritt 3: Der Versuch, zu sprechen (laut vorzulesen)

Problem: Die Lernenden sollen von Anfang an die Worte richtig aussprechen. Entweder während des Vokabelpaukens oder während des Unterrichts (die Zielsprache vom ersten Augenblick an sprechen). Diese Methode wird zwar als besonders „modern“ angesehen, ist aber nicht gehirn-gerecht. Beachten Sie, daß Babys der Sprache monatelang zuhören, bevor sie versuchen, die Klänge nachzuahmen, die sie so und so oft gehört haben, während wir von Sprachenlernern erwarten, daß sie sofort Klänge nachahmen, mit denen sie noch gar nicht vertraut sind.

Gefahr: Lernende werden die Worte nicht nur schlecht (oder falsch) aussprechen, sondern sie werden außerdem die unangenehme Fremdheit mit Gefühlen der Frustration und des Versagens verbinden. Diese unerfreulichen Gefühle werden eng mit der Zielsprache verknüpft (oder mit dem Sprachenlernen an sich) und schaffen genau die „negative Einstellung zum Lernen“, die so viele Lehrer/Eltern als die vorrangige Ursache für schlechte Ergebnisse bezeichnen.

Schritt 4: Anwendung (z.B. Grammatikaufgaben)

Problem: Von den Lernenden wird erwartet, daß sie an Übungen Gefallen finden, die sie nicht mögen. Beachten Sie: Weniger als 8% aller Menschen finden Gefallen an Grammatikübungen – nicht einmal in ihrer Muttersprache.

Gefahr: Weitere Erfahrungen von Unfähigkeit und Frustration vertiefen die Abneigung gegen die Zielsprache (oder gegen Sprachenlernen im allgemeinen).

Grundlegende Unterschiede der BIRKENBIHL-Methode© zu traditionellen Methoden

  1. Die Lerner machen sich mit jedem einzelnen Aspekt vertraut, ehe sie ihn zum ersten Mal aktiv ausprobieren. Zum Beispiel werden sie im vierten Lernschritt zum ersten Mal sprechen, also erst nachdem sie die Bedeutung der Vokabeln völlig verstanden haben (Schritt 1) und sich gründlich mit dem Klang der Worte vertraut gemacht haben
    (Schritt 2: Hören/Aktiv und Schritt 3: Hören/Passiv).
  2. Man ist immer (jeweils) nur mit einem Aspekt des Lernens beschäftigt. Nämlich: In Schritt 1: Die Bedeutung der Worte im Zusammenhang verstehen (keine isolierten Vokabeln). In Schritt 2: Den Klang der Worte mit deren Bedeutung verbinden (Hören/Aktiv). In Schritt 3: Diese Klänge während einer passiven Lernphase fest im
    Unterbewußtsein verankern. Man hört sich kleine Teile der Lektion immer und immer wieder an, während man andere Dinge tut. Stellen Sie sich das bitte vor: Sie sollen nicht aktiv zuhören – Hören/ Passiv ist eine „Hintergrund-Aktivität“, die keine Minute Ihrer kostbaren Zeit verbraucht. Passiv hören kann man während des Fernsehens,
    beim Lesen, bei Haus- und Gartenarbeiten, Spazierengehen usw.
  3.  Sie lernen nur, was Sie lernen wollen. Das Minimalziel ist, die gesprochene Sprache zu verstehen, und für einige Menschen ist das genug (z.B. um Satelliten-Programmen folgen zu können). Jeder Lernende entscheidet individuell, welche der drei folgenden Fähigkeiten ihn außerdem noch interessieren:
    . sprechen,
    . lesen,
    . schreiben.
    Diese drei Aufgaben werden erst im vierten Lernschritt stattfinden, also erst, nachdem das Verstehen der Bedeutung und das Wiedererkennen des Klangs eines bestimmten Textes (Lektion) einfach geworden ist.

Die BIRKENBIHL-Methode©: Vier Lernschritte

Schritt 1: Die Bedeutung der Worte verstehen

Vorgehensweise: Die Aufgabe besteht aus einer Wort-für-Wort-Übersetzung (De-Kodierung©*), wobei wir die Übersetzung direkt unter dem jeweiligen Wort eintragen.Falls Sie mit alten Sprachkursen arbeiten, können Sie sich den Text unter Zuhilfenahme der Vokabellisten selbst de-kodieren. Da dies aber vielen Menschen zu (zeit-)aufwendig ist, gibt es seit 1990 erste Sprachkurse, die nach der BIRKENBIHL-Methode© aufgebaut sind: mit De-Kodierung (= Wort-für-Wort-Übersetzung).

(* Ich habe erst Jahre nach meiner Entwicklung des De-Kodierens gelernt, daß es ähnliche Versuche auch in der Vergangenheit bereits gegeben hatte. Ich nehme an, es ging den Entwicklern ähnlich wie mir anfangs: Das De-Kodieren wird von Leuten kaputtgeredet, die es nie versucht haben, weil sie behaupten, die Übersetzung müsse eine gute sein. Da die „gute“ Übersetzung von What’s up? nun mal Was ist los? lautet, erzeugen wir so die üblichen Fehler (What’s lose?) statt via De-Kodieren von Was ist auf? zu What’s up? zu gelangen. Wenn man diesen Punkt erreicht hat, kann man die De-Kodierung getrost vergessen)

Beispiel (Zielsprache: Italienisch, Ausgangssprache: Deutsch):  

De-Kodierung ital.-deut.
De-Kodierung ital.-deut.

Wenn Sie de-kodierte Sprachkurse besitzen: Lesen Sie die Wort-fürWort-Übersetzung (optimal ist es, sie mit einem Textmarker hervorzuheben), um ein erstes Gefühl für die Lektion zu bekommen und sich ein Bild vom Inhalt zu machen (wobei beide Hälften des Gehirns in den Lernprozeß einbezogen werden). Auf diese Weise lernen Sie den Inhalt der Lektion in Ihrer Muttersprache, bevor Sie irgend etwas anderes in Angriff nehmen. Beachten Sie besonders: Wenn Sie bereits ein ansehnliches Wissen haben, werden Sie natürlich gleich den Zielsprachentext ansehen und dabei nur diejenigen Passagen anstreichen, die Sie nicht auf Anhieb verstehen, also nur an kritischen Stellen zur Wort-für-Wort-Übersetzung „springen“, während Sie die Zielsprache lesen, wenn das Verstehen schon leichtfällt.Aber der Anfänger wird sich zu Beginn völlig auf die Wort-für-Wort-Übersetzung konzentrieren, weil ja alle Wörter der Zielsprache zu diesem Zeitpunkt noch unbekannt sind.Vorteile

  1.  Sofortiges Verstehen schafft ein positives Gefühl. Die Wort-für-Wort Übersetzung macht die neue Sprache transparent (in mehr als einer Hinsicht). 
  2.  Die Satzstruktur der Zielsprache kann ohne Grammatikregeln verstanden werden (analog zum Lernen der Muttersprache damals, als Sie noch klein waren). In unserem Beispiel („Sprechen-Sie italienisch?“) lernt man „unbewußt“, daß man für die beiden Wörter „Sprechen-Sie“ im Italienischen nur ein Wort braucht: „parla“. Auf diese Weise werden Sie später niemals versucht sein, der Zielsprache die Sprachstruktur Ihrer Muttersprache „aufzudrücken“ (was zu den typischen Standardfehlern führt, von denen alle ein Lied singen können, die mit alten Methoden Sprachen gelernt haben!). 
  3.  Die Wort-für-Wort-Übersetzung ist eine „Krücke“, deren Sinn nur darin besteht, den Lernenden „zum Laufen zu bringen“ und die später „weggeworfen“ werden kann*.                ( * Auf die Idee kam ich durch Ludwig WITTGENSTEIN, der davon spricht, daß die Sprache per se als Leiter angesehen werden könnte, mit deren Hilfe wir gewisse Höhen erklimmen. Wenn wir jedoch dort angekommen sind, müssen wir die Leiter wegwerfen. (Tractatus logicus.) So werfen wir auch die De-Kodierungs-Sprache weg, wenn wir den Punkt des Begreifens erreicht haben …) 
    Beim traditionellen Fremdsprachenlernen hingegen wird das Wortpaar „zusammengeklebt“ (z.B. Tisch = table), so daß der Lernende sich auch Jahre später noch an die Übersetzung „klammert“. Mit der Wort-für-Wort-Übersetzung lernen die Lernenden sehr früh, in der Zielsprache zu denken, so daß mit dem Lernfortschritt das muttersprachliche „Gegenstück“ schnell „vergessen“ wird. Auf diese Weise lernen Sie nicht nur, schnell in der Zielsprache zu denken, Sie haben sich so auch die nötige Plattform für später geschaffen, wenn Sie in der Zielsprache sprechen, fühlen, lesen und/oder schreiben wollen, ohne sich ständig an die Muttersprache zu klammern.
  4.  Die Pseudo-Übersetzung kann ziemlich lustig sein. Die Faustformel sagt: Entweder ist ein Satz (Ausdruck, Redewendung) der Muttersprache ähnlich oder er ist lustig. Folglich: Wenn eine Struktur besonders lustig erscheint, erkennen Sie klar die Struktur der Zielsprache. Dieser Lernprozeß geschieht völlig „nebenbei“ ohne irgendeine bewußte „Arbeit“ des Lernenden. Beispiel: Japaner benutzen bestimmte Partikel, die gemäß bestimmten grammatikalischen Regeln auf Hauptwörter folgen. Wenn wir die Regeln vergessen, wollen wir uns einfach an die richtige Stellung der Partikel gewöhnen, so daß wir nach einiger Zeit diese „kleinen Wörter“ genauso natürlich „empfinden“ wie ein Japaner. Bei der BIRKENBIHL-Methode© behalten wir demzufolge in der Wort-für-Wort-Übersetzung diese Partikel bei. Der Satz „Sprechen Japaner japanisch?“
    stellt sich nun folgendermaßen dar:

De-Kodierung jap.-deut.

 

De-Kodierung jap.-deut.

Schritt 2: Hören/Aktiv

Vorgehensweise: Man hört den Text vom Tonband, während man „entlang“ der Wort-für-Wort-Übersetzung liest und sich den Inhalt vorstellt. Mit anderen Worten: Sie lesen zu diesem Zeitpunkt nur Wörter in Ihrer Muttersprache. Im Klartext: Sie werden nicht gleichzeitig versuchen, sich die Schreibweise der fremden Wörter einzuprägen. Also lesen
Sie z.B. „Tisch“, während Sie gleichzeitig den fremden Laut [table] hören. Schritt 2(Hören/Aktiv) bedeutet, daß der Lernende Stück für Stück den Text hört und dabei eingangs die Pause-Taste sooft wie nötig drückt, um sich den gerade gehörten Klang „einzuprägen“.Wiederholtes aktives Zuhören ist einfach und ist begleitet von stetig wachsenden Erfolgserlebnissen, weil man sehr schnell mehr und mehr verstehen kann.Sobald die Textstellen anfangen, vertraut zu klingen, werden wir immer seltener die Pause-Taste drücken müssen, bis wir die ganze Lektion ohne Unterbrechungen hören können. Das aktive Hören ist „beendet“, wenn wir jedes Wort verstehen, und zwar ohne Hilfe der Wort-für-Wort Übersetzung.

Vorteile

  1.  Ab diesem Zeitpunkt ist es für den/die Lernenden genauso leicht, diesen Text in der Zielsprache zu hören wie in seiner Muttersprache. Dieses völlige Verstehen ist bei der BIRKENBIHL-Methode© normal, während es bei traditionellen Methoden ein selten erreichtes unrealistisches Ziel bleibt. Aus diesem Grund sind weltweit Milliarden von Menschen unfähig, Sprachen zu verstehen, die sie angeblich jahrelang intensiv gelernt haben – zum Beispiel im Gymnasium (wo sie oft jahrelang 6 bis 14 Stunden pro Woche investiert hatten). 
  2.  Alle Wörter werden in einem sinnvollen Zusammenhang gelernt (wie einstmals in der Muttersprache). Wenn das Wort put in Zeile drei von Lektion 1 mit einer bestimmten Bedeutung erscheint, das gleiche Wort in der nächsten Lektion in einem anderen Zusammenhang wiederkehrt, dann erkennt der Lernende allmählich die vielen
    Bedeutungen von put, ohne zu versuchen, das Wort mit einer Vielzahl seiner Bedeutungen außerhalb des Kontextes zu lernen, wie dies beim traditionellen Lernen der Fall ist (to put = [hin-]setzen, [hin-]/ [ab-]legen, [auf-]stellen, [an-]bringen …). Wenn es Sie interessiert, könnten Sie put in einem Wörterbuch nachschlagen; Sie finden spaltenweise
    „Übersetzungen“.
  3.  Es ist außerordentlich befriedigend, das stetig wachsende Selbstbewußtsein der Lernenden zu beobachten. Innerhalb kürzester Zeit sind sie in der Lage, mehr und mehr der Zielsprache zu verstehen, und auf diese Weise lernen sie auf der Meta-Ebene, daß sie fähig sind, Fremdsprachen zu lernen. Unsere Erfahrung hat gezeigt, daß die meisten Lernenden nicht nur schnell in ihrer gewählten Zielsprache vorankommen, sondern daß sie häufig sogar eine zweite und dritte Fremdsprache anfangen, weil es ihnen ein gutes Gefühl gibt, sich zu beweisen, wie fähig sie sind. Einige unserer Kunden nennen es „süchtig werden nach Sprachenlernen“.

Schritt 3: Hören/Passiv

Vorgehensweise: Man hört sich kurze Abschnitte des Textes wiederholt an, aber passiv, d.h., ohne überhaupt bewußt hinzuhören. Während dieser Zeit ist man mit anderen Aktivitäten beschäftigt. Diese Wiederholungen sind mit modernen Tonträgern (wie CD) einfach geworden (früher mußten unsere Lerner sich Lektionsteile auf kurze Sechs-Minuten-Leerkassetten überspielen). Beachten Sie bitte besonders:Die Kassetten mit dem Stoff für das passive Hören werden im Hintergrund abgespielt. Die Lautstärke kann so gering sein, daß man die Kassette gerade noch hören kann (unabhängig von anderen Geräuschen im Raum, wie z.B. Fernsehen oder Musik).

Vorteile

  1. Das Unterbewußtsein wird sich an die Aussprache gewöhnen, weil es ihr ständig ausgesetzt ist. Dieser Schritt ahmt die Phase in unserer Kindheit nach, in der wir von unserer Muttersprache umgeben waren. Beachten Sie besonders: Jede Phase des passiven Zuhörens gleicht einem Mini-Aufenthalt im Lande Ihrer Zielsprache. Je mehr wir passiv
    hören, desto schneller werden wir die Herrschaft über die Zielsprache
    erlangen.
  2. Die Lerner müssen keine einzige Minute ihrer kostbaren Zeit in dieses passive Zuhören investieren. Sie können nebenbei hören, während sie bestimmte Routinearbeiten erledigen (das Haus saubermachen, Einkaufen gehen etc.), oder sie können aktiv eine andere geistige Arbeit vollbringen, wie ein wissenschaftliches Fachgebiet studieren (in diesem Fall nennen wir das paralleles Lernen), oder sie können ihre Lieblingsromane lesen oder sogar im Fernsehen einen Thriller anschauen.
  3. Trotz der Tatsache, daß die Lerner während der passiven Hörperioden nicht bewußt zuhören, werden sie manchmal einige Worte aufschnappen (z.B. während eines ruhigen Moments im TV-Film, den man gerade ansieht). In diesem Augenblick bemerkt man, wie vertraut einem der Text inzwischen erscheint, was wiederum das Vertrauen in den Lernprozeß stärkt. Diese kurzen Augenblicke sind oft von intensiven Gefühlen der Freude und des Selbstvertrauens begleitet. Auf diese Weise werden die „alten Programme“ des traditionellen Lernens („Ich bin unfähig“) allmählich durch „neue Programme“ („Ich kann!“) ersetzt, die psychologische Blockaden im Gehirn auflösen.Die Erfahrung hat gezeigt: Diese Gefühle des Erfolgs wirken sich oft auf andere Lerngebiete (ja sogar Lebensbereiche!) aus, weil der Lernende im Verlauf ein beachtliches Selbstvertrauen gewinnt.

Schritt 4: Weitere Lernaktivitäten

  • Der Lernende beherrscht nundie Bedeutung der Worte von der Kassette, und er hat sich
  • gründlich mit dem Klang vertraut gemacht (lange bevor er selbst zu sprechen versucht).

Wenn Verstehen alles ist, was man erreichen will, dann sind die ersten drei Schritte (pro Lektion) genug (z.B. um Satelliten-Programme zu begreifen).

Vorteil: Dieser letzte (vierte) Schritt vermittelt das Sprechen, Lesen und/oder Schreiben der Zielsprache. Dies ist allein abhängig davon, welche Fähigkeiten der Lernende zu lernen wünscht. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, lassen Sie mich nur einige erwähnen, z.B.

Die Chor-Methode©

Hören Sie sich die Lektion über Kopfhörer an, während Sie „im Chor“ mit der Kassette sprechen.Vielleicht erinnern Sie sich, daß man früher in der Schule durch Chorsprechen
Griechisch und Latein gelernt hat! Diese Methode war gehirngerecht, wurde aber leider abgeschafft. Gottseidank können Sie dank der modernen Technik (z.B. mit Kassetten) im Chor sprechen, so daß Sie keine Klasse dazu brauchen.Zuerst wird die Lautstärke des Wiedergabegerätes höher gestellt,
während Sie leise mitsprechen. Nach einer Weile verringern Sie allmählich die Lautstärke der Kassette, während Sie mit wachsender Sicherheit lauter sprechen, bis Sie am Ende die Muttersprachler auf der Kassette nicht mehr benötigen. Übrigens: Zu diesem Zeitpunkt sind die Lerner im allgemeinen in der Lage, die Lektion auswendig aufzusagen. Das bedeutet: Alles, was irgend jemand in der Lektion sagt (denkt), kannunser Lerner ebenfalls mit absoluter Sicherheit in der Zielsprache sagen (oder denken)!Manche wollen das, was sie sagen, auf eine andere Kassette aufnehmen. Tun Sie dies bitte erst am Ende des vierten Lernschrittes (wenn Sie diesen Teil der Lektion beherrschen). Es ist wichtig, nicht zu früh mit dem Aufnehmen zu beginnen (wie im traditionellen Sprachlabor), weil der Muttersprachler auf der Kassette Ihr Vorbild bleiben muß. Wenn Sie aber Ihre eigenen ersten Versuche zum Vorbild machen, dann werden Sie sich einen Akzent antrainieren!

Das Schatten-Sprechen©

Falls man es noch nicht wagt, die Chor-Methode zu versuchen, kann man das „Schattensprechen“ probieren: Sie hören der Kassette zu und sprechen den Text etwa ein bis zwei Silben später als die Muttersprachler, die Sie hören. Beachten Sie:Üben Sie diese Technik zuerst in Ihrer Muttersprache. Es dauert einige Minuten, bis Sie sich daran gewöhnt haben. Das Verfahren ähnelt der Art, wie ein Dolmetscher spricht, wenn er der Person „hinterherjagt“, deren Aussagen er übersetzt.Die Technik des „Schattensprechens“ ist besonders hilfreich, wenn die Zielsprache sich in der Tonalität völlig von der Muttersprache unterscheidet (z.B. wenn Sie Arabisch oder Chinesisch lernen).

Das Lücken-Sprechen©

Kopieren Sie interessante Teile der Lektion und übermalen Sie einige Worte mit Tipp-Ex. Geben Sie später den Text wieder, indem Sie die Lücken ergänzen. Die Erfahrung hat gezeigt, daß diese Übung zu sehr schönen Erfolgsgefühlen führt, weil sie (nach der guten Vorbereitung der Schritte 1 bis 3 zuvor) so leicht ist!

Lesen (Zielsprache)

Diese Lese-Übung gleicht zunächst dem Hören/Aktiv (Schritt 2), allerdings mit einem gewaltigen Unterschied. Wenn Sie lesen lernen wollen, nachdem Ihnen Inhalt, Aussprache etc. bereits völlig vertraut sind, gehen Sie wie folgt vor: Wiederholen Sie Schritt 2, aber mit einem wesentlichen Unterschied: Damals hatten Sie nur das De-Kodierte (die Wort-für-Wort Übersetzung) mitgelesen, während Sie jetzt bewußt den zielsprachigen Text mit den Augen verfolgen. Dabei sehen Sie die De-Kodierung unbewußt, was eingangs hilfreich ist.Am Anfang drücken Sie so oft Sie wollen die Pause-Taste. Nach einer Weile sind keine Stops mehr nötig. Jetzt können Sie den Originaltext in der Zielsprache mitlesen (ohne De-Kodierung), und danach können Sie den Text alleine lesen, ohne die Kassette zu hören, während Sie allesverstehen und den richtigen Klang der Wörter kennen, selbst wenn Sie
(zu dieser Zeit) noch kein einziges Wort aktiv gesprochen haben. Wenn Sie das mit der Schule vergleichen …

Schreiben (Zielsprache)

  • Diktat: Benutzen Sie für Diktat-Übungen die Kassette.
  • Die Lücken füllen (beim Schreiben).

Ablauf: Vgl. Lücken sprechen. Zuerst werden Sie die Wörter im Originaltext öfter überprüfen, aber bald werden Sie in der Lage sein, die Lücken ausgezeichnet zu ergänzen. Die Erfahrung hat gezeigt, daß auch diese Übung zu einem sehr befriedigenden Anwachsen des Selbstwertgefühls führt.

PS: Vgl. Sie dazu auch Probleme mit dem Lesen?, denn: Lese-Probleme in der Ziel-Sprache lassen sich am besten durch Schreiben lösen

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Sprache als Instrument des Denkens

Normalerweise gehen wir davon aus, daß Sprache die Wirklichkeit beschreibt, sowie daß unsere Fähigkeit sprachlich zu denken, sprechen, schreiben ausreichend ist und daß man uns so leicht nicht an der Nase herumführen kann.

Wie wir gleich sehen werden, sind diese Annahmen trügerisch. Daher möchte ich Sie jetzt einladen, einige Aspekte über Sprache zu entdecken, die normalerweise unterhalb der Schwelle Ihres Bewußtseins bleiben …


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Neulich sagte Gott zu mir …..

Dieser Aufsatz ist meine Antwort auf die regelmäßig auftauchende (Doppel-) Frage meiner Seminar-Teilnehmer/innen:

Glauben Sie eigentlich an Gott? (Wenn ja, wie sieht Ihr
Gottesbild aus?)

Manche Fragesteller/innen möchten die eigene Vorstellung von Gott mit meiner vergleichen. Manchmal aber steckt hinter der Frage eine andere, die erst später im Gespräch auftaucht, …


Ich will den ganzen Beitrag lesen …

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