Unbewußt/bewußt?


Das Denk-Modell: 11 km vs. 15 mm?

von Vera F. Birkenbihl

Dieser DENK-ANSTOSS soll die Entwicklung der Metapher von den „berühmt-berüchtigten“ 11 km UNBEWUSST contra 15 mm* Bewußtsein aufzeigen. Es handelt sich um Daten aus der Wahrnehmungs- und Hirnforschung. Schwerpunkt ist die Frage: Wieviele Reize kann ein Sinnesorgan in einer bestimten Zeit aufnehmen?). Erste Experimente hierzu liefen bereits vor über 150 Jahren (z.B. HELMHOLTZ, 1850, Details: Thor NØRRETRANDERS: Spüre die Welt). Wenn wir alle Sinnesorgane zusammen betrachten, um über alle Reize zu reflektieren, die wir parallel gleichzeitig wahrnehmen können, ergibt sich die sog. Bandbreite. Über sie berichten diverse Autoren (mit am besten m.E. SCHACTER und NØRRETRANDERS). NØRRETRANDRS zitiert z.B. die Zahlen eines Forschers namens ZIMMERMANN, die immer wieder von allen Autoren zitiert wird), vgl. Tabelle, unten). Mit „Bandbreite“ sind übrigens die gesamten bewußten und unbewußten Wahrnehmungsmöglichkeiten des neurophysiologischen Apparates gemeint, im Gegensatz zum Flaschenhals der bewußten Wahrnehmung (ganz rechts). Gerechnet wird in Info-Bits pro Sekunde.

Magical Snap - 2009.08.15 15.22 - 002 

 Wenn wir alles zusammenzählen, kommt eine sehr große Zahl von über 11 Millionen (gesamte Bandbreite) heraus, während der Durchschnitt dessen, was wir bewußt registrieren können, immens klein ist:

Die Bandbreite unseres Bewußtsein ist mikroskopisch, verglichen mit der Bandbreite unseres Unbewußten!

ggg

Da unser Vorstellvermögen mit Zahlen um die 20 aufhört, können wir uns von größeren Zahlen kein rechtes „Bild“ machen. Deshalb „goß“ ich diese Zahlen in eine vorstellbare Strecke,, wobei ich Sie einladen möchte, sich eine konkrete 11 km-Strecke vorzustellen. Wenn Sie nun einen „Schlauch“ von fast dieser Länge (und geringer Breite) denken, der das gigantische Unbewußte repräsentiert, während die Breite Ihres Fingernagels (kleiner Finger!) Ihre bewußtes Wahrnehmen beschreibt, dann haben Sie doch zumindest eine Ahnung gewonnen. Übrigens zeigen Experimente, bei denen wir Versuchspersonen in der Röhre (Stichwort: bildgebende Verfahren) beim Denken zuschauen können, daß es mit dem Denken analog läuft: Wir scheinen unglaublich viele Gednkaen unbewußt in einem Affentempo denken zu können, da dieser Prozeß aber vom Bewußtsein nicht wahrnehmbar ist (wier erkennen es z.B. an den Schlußfolgerungen, die plötzlich auftauchen) geht man davon aus, daß die Bandbreiten unbewußten Denkens ähnlich berechnet werden kann.

Im Jahre 2009 stellte uns ein Lehrer im Schweizer Lehrer-Tag seine Variante zu den 11 km/15 mm vor, indem er die Landkarte ausbreitete und sagte: Wenn die 11 km auf die Fläche von Frankreich umgelegt werden, dann entsprechen die 15 mm einem Punkt, der kleiner ist als der i-Punkt auf den kleinen Orten, deren i-Punkt kaum noch zu sehen ist. Diese Flächen-Darstellung finde ich wunderbar, also denken Sie ruhig an diese, wenn wir z.B. in meinem Seminaren oder Publikationen von den 11 km vs. 15 mm sprechen… Es geht in beiden Fällen um eine METAPHER, welche die Relation der Zahlen zueinander aufzeigen soll, es geht also keinesfalls um exakte Arithmetik!

In meinen DVD-Mitschnitten „LISTENDENKEN“ und „Von Nix kommt nix“ (beide können auf birkenbihl.com gesehen bzw. bestellt werden) habe ich zum ersten Mal das „11-km-Männchen“ vorgestellt (s. Abbildung unten).

Es symbolisiert die 15 mm (bewußt: Kopf) die gegen die 11 km (Unbewußtsein: Katakomben des Wissens) abgeschottet sind, damit wir in der Lage sind, uns jeweils auf einige Aspekte im Hier und Jetzt zu konzentrieren. Wenn uns nämlich alles, was wir wissen, gleichzeitig bewußt wäre, könnten wir nicht über die Straße gehen!.

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Nun können wir uns das „Innere Archiv“ vorstellen: 11 km voller Schubladen, Kasten, Aktenschränken etc. Wollen wir die Metapher noch einen Schritt weiter treiben und uns vorstellen, daß hier viele treue Mitarbeiter tätig sind, deren Aufgabe darin besteht, jene Schubladen, Kasten etc. verschlossen zu halten, damit nicht zu viele Infos in den engen Flaschenhals (der 15 mm) dringen können.

Wenn wir Infos aus den Katakompben benötigen, müssen wir diese MitarbeiterInnen quasi anfordern, die Schublade zu öffnen. Wir können an manche Informationen sehr schnell „herankommen“, weil wir deren Schubladen in den Katakomben unseres Wissens so oft konsultieren, daß die Schubladen OFFEN bleiben. Dabei ist wichtig: Bei Nichtbenutzung werden sie nach ca. 30 Stunden wieder geschlossen. Das nenne ich den Stadt-Land-Fluß-Effekt: Wer oft Stadt-Land-Fluß spielt, hält die Stadt-, Land- und Fluß-Schubladen permanent offen, womit sich die ZUGRIFFs-Zeit auf das eigene Wissen (im Unbewußten) dramatisch erhöht. Wir alle kennen den Stadt-Land-Fluß-Effekt zu für uns wichtigen Themen (beruflich wie privat).

Es liegt an uns, welche Themen wir oft genug (kurz) aktivieren wollen, um ständig diesen verbesserten ZUGRIFF zu haben. Manchmal spreche ich auch vom Experten-EFFEKT, denn genau das zeichnet Experten aus. Nicht, daß sie immer so viel mehr wissen als Laien, sondern, viel wichtiger, daß sie weit schnelleren Zugriff auf ihr Wissen haben als andere. Dadurch können sie blitzschnell Daten und Fakten miteinander kombinieren, sie produzieren mehr Assoziationen als andere, sie sehen Verbindungen, die andere nicht wahrnehmen etc.

Das alles wird nur möglich, wenn die betreffenden Wissens-Schubladen OFFEN sind, und das ist nur der Fall, wenn ihre Inhalte innerhalb von ca. 30 Stunden genutzt werden. Es lohnt sich also, beispielsweise wichtige Themen per ABC-Listen und/oder regelmäßigen KaWa.s (s. ABC und KaWa in diesem Blog) anzulegen, um die Schubladen offen zu halten.

Bei Zeitdruck reicht innerhalb von ca. 30 Stunden eine einzige ABC-Liste von 60-Sekunden, und schon bleibt die Schublade offen.

Wenn Sie z.B. 5 wichtige Kernthemen haben, kostet es Sie lediglich ca. 5 Minuten pro 30 Stunden, um den ZUGRIFF AUF IHR EIGENES WISSEN maßgeblich zu verbessern…

vfb

*Teile dieses Denk-Anstoßes finden sich in einem Merkblatt in meinem Buch, das ab der 3. Auflage (bei mvg) „Birkenbihls Denkwerkzeuge“ heißt (früherer Titel:Das große Analograffiti-Buch)

Literatur

NØRRETRANDERS, Spüre die Welt

SCHACTER, Wir sind Erinnerung

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Eine Antwort zu “Unbewußt/bewußt?

  1. Pingback: Birkenbihl-denkt » Stadt-Land-Fluss-Effekt©

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