Sprachen lernen leicht gemacht – gehirn-gerecht für Autodidakten


Auszug aus „Stroh im Kopf?“ (ab Aufl. 36)

T – Sprachen lernen – gehirn-gerecht/BIRKENBIHL-Methode©

Das alte Sprachenlernen

Sehen wir uns das traditionelle Fremdsprachenlernen kurz an. Bitte beachten Sie, daß manche der sogenannten „modernen“ Methoden die gleichen Probleme mit sich bringen wie die klassische Methode, z.B. wenn man den Lernenden sagt, sie sollten (dürften, könnten!) von Anfang an (in der Zielsprache) sprechen. Deshalb stellen die vielen „modernen“
Methoden (wie auch manche Kassetten-Sprachkurse auf dem Markt) den Lernenden vor die gleichen Schwierigkeiten wie das Schullernen.

Die klassische Methode: Vier Schritte

Schritt 1: Vokabeln lernen

Problem: Von den Lernenden wird erwartet, daß sie neue Wörter aussprechen oder zumindest murmeln, von denen sie noch nicht einmal den korrekten Klang kennen. Typische Beispiele: Deutsche, die Englisch lernen, sprechen stumme Buchstaben aus, sie lernen [knaif] anstelle von „knife“ oder [wrait] für „write“. Wörter, die neue Laute (z.B. das „th“) enthalten, werden völlig verunstaltet. Einer meiner Seminarteilnehmer erzählte, wie er ursprünglich gelernt hatte, für „although“ [altaf] zu sagen!

Gefahr: Falsche Aussprache führt zu zwei Nachteilen:

  1. Wenn Lernende später das Wort hören, können sie es nicht wiedererkennen (weil die korrekte Aussprache unbekannt ist). 
  2. Lernende werden später nicht verstanden (aufgrund der falschen Aussprache). Bitte bedenken Sie, daß es sehr schwierig ist, später umzulernen, nachdem bestimmte Fehler sich bereits eingeschlichen haben.

Schritt 2: Der (krampfhafte) Versuch, die Lektion zu verstehen

Problem: Lernende erleben Schwierigkeiten, weil sie – sogar wenn die Vokabeln gut gelernt wurden – die Worte isoliert lernen (z.B. put mit vielen möglichen Übersetzungen), während im Kontext nur eine der Möglichkeiten den Sinn beschreibt. Welche Übersetzung ist diesmal die richtige? Und wenn die Lernenden die Vokabeln nicht gut gelernt haben (was die Regel ist), werden sie sich hilflos, frustriert, ja sogar „dumm“ vorkommen und erstens folgern: Fremdsprachenlernen ist sehr schwierig und zweitens: „Ich habe kein Talent dafür.“

Gefahr: Dies schafft negative Erwartungen, die später „wahr“ werden (sich selbst erfüllende Prophezeiung) und so solche Annahmen wiederum bekräftigen.

 Ich wiederhole: Es ist schwierig, solche Annahmen später zu vergessen, deshalb ist es viel schwieriger, Menschen dazu zu bringen, mit der Birkenbihl-Methode anzufangen, als sie später bei der Stange zu halten, während normalerweise das Gegenteil zutrifft (die Leute fangen mit Enthusiasmus an, der schnell verpufft).

Schritt 3: Der Versuch, zu sprechen (laut vorzulesen)

Problem: Die Lernenden sollen von Anfang an die Worte richtig aussprechen. Entweder während des Vokabelpaukens oder während des Unterrichts (die Zielsprache vom ersten Augenblick an sprechen). Diese Methode wird zwar als besonders „modern“ angesehen, ist aber nicht gehirn-gerecht. Beachten Sie, daß Babys der Sprache monatelang zuhören, bevor sie versuchen, die Klänge nachzuahmen, die sie so und so oft gehört haben, während wir von Sprachenlernern erwarten, daß sie sofort Klänge nachahmen, mit denen sie noch gar nicht vertraut sind.

Gefahr: Lernende werden die Worte nicht nur schlecht (oder falsch) aussprechen, sondern sie werden außerdem die unangenehme Fremdheit mit Gefühlen der Frustration und des Versagens verbinden. Diese unerfreulichen Gefühle werden eng mit der Zielsprache verknüpft (oder mit dem Sprachenlernen an sich) und schaffen genau die „negative Einstellung zum Lernen“, die so viele Lehrer/Eltern als die vorrangige Ursache für schlechte Ergebnisse bezeichnen.

Schritt 4: Anwendung (z.B. Grammatikaufgaben)

Problem: Von den Lernenden wird erwartet, daß sie an Übungen Gefallen finden, die sie nicht mögen. Beachten Sie: Weniger als 8% aller Menschen finden Gefallen an Grammatikübungen – nicht einmal in ihrer Muttersprache.

Gefahr: Weitere Erfahrungen von Unfähigkeit und Frustration vertiefen die Abneigung gegen die Zielsprache (oder gegen Sprachenlernen im allgemeinen).

Grundlegende Unterschiede der BIRKENBIHL-Methode© zu traditionellen Methoden

  1. Die Lerner machen sich mit jedem einzelnen Aspekt vertraut, ehe sie ihn zum ersten Mal aktiv ausprobieren. Zum Beispiel werden sie im vierten Lernschritt zum ersten Mal sprechen, also erst nachdem sie die Bedeutung der Vokabeln völlig verstanden haben (Schritt 1) und sich gründlich mit dem Klang der Worte vertraut gemacht haben
    (Schritt 2: Hören/Aktiv und Schritt 3: Hören/Passiv).
  2. Man ist immer (jeweils) nur mit einem Aspekt des Lernens beschäftigt. Nämlich: In Schritt 1: Die Bedeutung der Worte im Zusammenhang verstehen (keine isolierten Vokabeln). In Schritt 2: Den Klang der Worte mit deren Bedeutung verbinden (Hören/Aktiv). In Schritt 3: Diese Klänge während einer passiven Lernphase fest im
    Unterbewußtsein verankern. Man hört sich kleine Teile der Lektion immer und immer wieder an, während man andere Dinge tut. Stellen Sie sich das bitte vor: Sie sollen nicht aktiv zuhören – Hören/ Passiv ist eine „Hintergrund-Aktivität“, die keine Minute Ihrer kostbaren Zeit verbraucht. Passiv hören kann man während des Fernsehens,
    beim Lesen, bei Haus- und Gartenarbeiten, Spazierengehen usw.
  3.  Sie lernen nur, was Sie lernen wollen. Das Minimalziel ist, die gesprochene Sprache zu verstehen, und für einige Menschen ist das genug (z.B. um Satelliten-Programmen folgen zu können). Jeder Lernende entscheidet individuell, welche der drei folgenden Fähigkeiten ihn außerdem noch interessieren:
    . sprechen,
    . lesen,
    . schreiben.
    Diese drei Aufgaben werden erst im vierten Lernschritt stattfinden, also erst, nachdem das Verstehen der Bedeutung und das Wiedererkennen des Klangs eines bestimmten Textes (Lektion) einfach geworden ist.

Die BIRKENBIHL-Methode©: Vier Lernschritte

Schritt 1: Die Bedeutung der Worte verstehen

Vorgehensweise: Die Aufgabe besteht aus einer Wort-für-Wort-Übersetzung (De-Kodierung©*), wobei wir die Übersetzung direkt unter dem jeweiligen Wort eintragen.Falls Sie mit alten Sprachkursen arbeiten, können Sie sich den Text unter Zuhilfenahme der Vokabellisten selbst de-kodieren. Da dies aber vielen Menschen zu (zeit-)aufwendig ist, gibt es seit 1990 erste Sprachkurse, die nach der BIRKENBIHL-Methode© aufgebaut sind: mit De-Kodierung (= Wort-für-Wort-Übersetzung).

(* Ich habe erst Jahre nach meiner Entwicklung des De-Kodierens gelernt, daß es ähnliche Versuche auch in der Vergangenheit bereits gegeben hatte. Ich nehme an, es ging den Entwicklern ähnlich wie mir anfangs: Das De-Kodieren wird von Leuten kaputtgeredet, die es nie versucht haben, weil sie behaupten, die Übersetzung müsse eine gute sein. Da die „gute“ Übersetzung von What’s up? nun mal Was ist los? lautet, erzeugen wir so die üblichen Fehler (What’s lose?) statt via De-Kodieren von Was ist auf? zu What’s up? zu gelangen. Wenn man diesen Punkt erreicht hat, kann man die De-Kodierung getrost vergessen)

Beispiel (Zielsprache: Italienisch, Ausgangssprache: Deutsch):  

De-Kodierung ital.-deut.
De-Kodierung ital.-deut.

Wenn Sie de-kodierte Sprachkurse besitzen: Lesen Sie die Wort-fürWort-Übersetzung (optimal ist es, sie mit einem Textmarker hervorzuheben), um ein erstes Gefühl für die Lektion zu bekommen und sich ein Bild vom Inhalt zu machen (wobei beide Hälften des Gehirns in den Lernprozeß einbezogen werden). Auf diese Weise lernen Sie den Inhalt der Lektion in Ihrer Muttersprache, bevor Sie irgend etwas anderes in Angriff nehmen. Beachten Sie besonders: Wenn Sie bereits ein ansehnliches Wissen haben, werden Sie natürlich gleich den Zielsprachentext ansehen und dabei nur diejenigen Passagen anstreichen, die Sie nicht auf Anhieb verstehen, also nur an kritischen Stellen zur Wort-für-Wort-Übersetzung „springen“, während Sie die Zielsprache lesen, wenn das Verstehen schon leichtfällt.Aber der Anfänger wird sich zu Beginn völlig auf die Wort-für-Wort-Übersetzung konzentrieren, weil ja alle Wörter der Zielsprache zu diesem Zeitpunkt noch unbekannt sind.Vorteile

  1.  Sofortiges Verstehen schafft ein positives Gefühl. Die Wort-für-Wort Übersetzung macht die neue Sprache transparent (in mehr als einer Hinsicht). 
  2.  Die Satzstruktur der Zielsprache kann ohne Grammatikregeln verstanden werden (analog zum Lernen der Muttersprache damals, als Sie noch klein waren). In unserem Beispiel („Sprechen-Sie italienisch?“) lernt man „unbewußt“, daß man für die beiden Wörter „Sprechen-Sie“ im Italienischen nur ein Wort braucht: „parla“. Auf diese Weise werden Sie später niemals versucht sein, der Zielsprache die Sprachstruktur Ihrer Muttersprache „aufzudrücken“ (was zu den typischen Standardfehlern führt, von denen alle ein Lied singen können, die mit alten Methoden Sprachen gelernt haben!). 
  3.  Die Wort-für-Wort-Übersetzung ist eine „Krücke“, deren Sinn nur darin besteht, den Lernenden „zum Laufen zu bringen“ und die später „weggeworfen“ werden kann*.                ( * Auf die Idee kam ich durch Ludwig WITTGENSTEIN, der davon spricht, daß die Sprache per se als Leiter angesehen werden könnte, mit deren Hilfe wir gewisse Höhen erklimmen. Wenn wir jedoch dort angekommen sind, müssen wir die Leiter wegwerfen. (Tractatus logicus.) So werfen wir auch die De-Kodierungs-Sprache weg, wenn wir den Punkt des Begreifens erreicht haben …) 
    Beim traditionellen Fremdsprachenlernen hingegen wird das Wortpaar „zusammengeklebt“ (z.B. Tisch = table), so daß der Lernende sich auch Jahre später noch an die Übersetzung „klammert“. Mit der Wort-für-Wort-Übersetzung lernen die Lernenden sehr früh, in der Zielsprache zu denken, so daß mit dem Lernfortschritt das muttersprachliche „Gegenstück“ schnell „vergessen“ wird. Auf diese Weise lernen Sie nicht nur, schnell in der Zielsprache zu denken, Sie haben sich so auch die nötige Plattform für später geschaffen, wenn Sie in der Zielsprache sprechen, fühlen, lesen und/oder schreiben wollen, ohne sich ständig an die Muttersprache zu klammern.
  4.  Die Pseudo-Übersetzung kann ziemlich lustig sein. Die Faustformel sagt: Entweder ist ein Satz (Ausdruck, Redewendung) der Muttersprache ähnlich oder er ist lustig. Folglich: Wenn eine Struktur besonders lustig erscheint, erkennen Sie klar die Struktur der Zielsprache. Dieser Lernprozeß geschieht völlig „nebenbei“ ohne irgendeine bewußte „Arbeit“ des Lernenden. Beispiel: Japaner benutzen bestimmte Partikel, die gemäß bestimmten grammatikalischen Regeln auf Hauptwörter folgen. Wenn wir die Regeln vergessen, wollen wir uns einfach an die richtige Stellung der Partikel gewöhnen, so daß wir nach einiger Zeit diese „kleinen Wörter“ genauso natürlich „empfinden“ wie ein Japaner. Bei der BIRKENBIHL-Methode© behalten wir demzufolge in der Wort-für-Wort-Übersetzung diese Partikel bei. Der Satz „Sprechen Japaner japanisch?“
    stellt sich nun folgendermaßen dar:

De-Kodierung jap.-deut.

 

De-Kodierung jap.-deut.

Schritt 2: Hören/Aktiv

Vorgehensweise: Man hört den Text vom Tonband, während man „entlang“ der Wort-für-Wort-Übersetzung liest und sich den Inhalt vorstellt. Mit anderen Worten: Sie lesen zu diesem Zeitpunkt nur Wörter in Ihrer Muttersprache. Im Klartext: Sie werden nicht gleichzeitig versuchen, sich die Schreibweise der fremden Wörter einzuprägen. Also lesen
Sie z.B. „Tisch“, während Sie gleichzeitig den fremden Laut [table] hören. Schritt 2(Hören/Aktiv) bedeutet, daß der Lernende Stück für Stück den Text hört und dabei eingangs die Pause-Taste sooft wie nötig drückt, um sich den gerade gehörten Klang „einzuprägen“.Wiederholtes aktives Zuhören ist einfach und ist begleitet von stetig wachsenden Erfolgserlebnissen, weil man sehr schnell mehr und mehr verstehen kann.Sobald die Textstellen anfangen, vertraut zu klingen, werden wir immer seltener die Pause-Taste drücken müssen, bis wir die ganze Lektion ohne Unterbrechungen hören können. Das aktive Hören ist „beendet“, wenn wir jedes Wort verstehen, und zwar ohne Hilfe der Wort-für-Wort Übersetzung.

Vorteile

  1.  Ab diesem Zeitpunkt ist es für den/die Lernenden genauso leicht, diesen Text in der Zielsprache zu hören wie in seiner Muttersprache. Dieses völlige Verstehen ist bei der BIRKENBIHL-Methode© normal, während es bei traditionellen Methoden ein selten erreichtes unrealistisches Ziel bleibt. Aus diesem Grund sind weltweit Milliarden von Menschen unfähig, Sprachen zu verstehen, die sie angeblich jahrelang intensiv gelernt haben – zum Beispiel im Gymnasium (wo sie oft jahrelang 6 bis 14 Stunden pro Woche investiert hatten). 
  2.  Alle Wörter werden in einem sinnvollen Zusammenhang gelernt (wie einstmals in der Muttersprache). Wenn das Wort put in Zeile drei von Lektion 1 mit einer bestimmten Bedeutung erscheint, das gleiche Wort in der nächsten Lektion in einem anderen Zusammenhang wiederkehrt, dann erkennt der Lernende allmählich die vielen
    Bedeutungen von put, ohne zu versuchen, das Wort mit einer Vielzahl seiner Bedeutungen außerhalb des Kontextes zu lernen, wie dies beim traditionellen Lernen der Fall ist (to put = [hin-]setzen, [hin-]/ [ab-]legen, [auf-]stellen, [an-]bringen …). Wenn es Sie interessiert, könnten Sie put in einem Wörterbuch nachschlagen; Sie finden spaltenweise
    „Übersetzungen“.
  3.  Es ist außerordentlich befriedigend, das stetig wachsende Selbstbewußtsein der Lernenden zu beobachten. Innerhalb kürzester Zeit sind sie in der Lage, mehr und mehr der Zielsprache zu verstehen, und auf diese Weise lernen sie auf der Meta-Ebene, daß sie fähig sind, Fremdsprachen zu lernen. Unsere Erfahrung hat gezeigt, daß die meisten Lernenden nicht nur schnell in ihrer gewählten Zielsprache vorankommen, sondern daß sie häufig sogar eine zweite und dritte Fremdsprache anfangen, weil es ihnen ein gutes Gefühl gibt, sich zu beweisen, wie fähig sie sind. Einige unserer Kunden nennen es „süchtig werden nach Sprachenlernen“.

Schritt 3: Hören/Passiv

Vorgehensweise: Man hört sich kurze Abschnitte des Textes wiederholt an, aber passiv, d.h., ohne überhaupt bewußt hinzuhören. Während dieser Zeit ist man mit anderen Aktivitäten beschäftigt. Diese Wiederholungen sind mit modernen Tonträgern (wie CD) einfach geworden (früher mußten unsere Lerner sich Lektionsteile auf kurze Sechs-Minuten-Leerkassetten überspielen). Beachten Sie bitte besonders:Die Kassetten mit dem Stoff für das passive Hören werden im Hintergrund abgespielt. Die Lautstärke kann so gering sein, daß man die Kassette gerade noch hören kann (unabhängig von anderen Geräuschen im Raum, wie z.B. Fernsehen oder Musik).

Vorteile

  1. Das Unterbewußtsein wird sich an die Aussprache gewöhnen, weil es ihr ständig ausgesetzt ist. Dieser Schritt ahmt die Phase in unserer Kindheit nach, in der wir von unserer Muttersprache umgeben waren. Beachten Sie besonders: Jede Phase des passiven Zuhörens gleicht einem Mini-Aufenthalt im Lande Ihrer Zielsprache. Je mehr wir passiv
    hören, desto schneller werden wir die Herrschaft über die Zielsprache
    erlangen.
  2. Die Lerner müssen keine einzige Minute ihrer kostbaren Zeit in dieses passive Zuhören investieren. Sie können nebenbei hören, während sie bestimmte Routinearbeiten erledigen (das Haus saubermachen, Einkaufen gehen etc.), oder sie können aktiv eine andere geistige Arbeit vollbringen, wie ein wissenschaftliches Fachgebiet studieren (in diesem Fall nennen wir das paralleles Lernen), oder sie können ihre Lieblingsromane lesen oder sogar im Fernsehen einen Thriller anschauen.
  3. Trotz der Tatsache, daß die Lerner während der passiven Hörperioden nicht bewußt zuhören, werden sie manchmal einige Worte aufschnappen (z.B. während eines ruhigen Moments im TV-Film, den man gerade ansieht). In diesem Augenblick bemerkt man, wie vertraut einem der Text inzwischen erscheint, was wiederum das Vertrauen in den Lernprozeß stärkt. Diese kurzen Augenblicke sind oft von intensiven Gefühlen der Freude und des Selbstvertrauens begleitet. Auf diese Weise werden die „alten Programme“ des traditionellen Lernens („Ich bin unfähig“) allmählich durch „neue Programme“ („Ich kann!“) ersetzt, die psychologische Blockaden im Gehirn auflösen.Die Erfahrung hat gezeigt: Diese Gefühle des Erfolgs wirken sich oft auf andere Lerngebiete (ja sogar Lebensbereiche!) aus, weil der Lernende im Verlauf ein beachtliches Selbstvertrauen gewinnt.

Schritt 4: Weitere Lernaktivitäten

  • Der Lernende beherrscht nundie Bedeutung der Worte von der Kassette, und er hat sich
  • gründlich mit dem Klang vertraut gemacht (lange bevor er selbst zu sprechen versucht).

Wenn Verstehen alles ist, was man erreichen will, dann sind die ersten drei Schritte (pro Lektion) genug (z.B. um Satelliten-Programme zu begreifen).

Vorteil: Dieser letzte (vierte) Schritt vermittelt das Sprechen, Lesen und/oder Schreiben der Zielsprache. Dies ist allein abhängig davon, welche Fähigkeiten der Lernende zu lernen wünscht. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, lassen Sie mich nur einige erwähnen, z.B.

Die Chor-Methode©

Hören Sie sich die Lektion über Kopfhörer an, während Sie „im Chor“ mit der Kassette sprechen.Vielleicht erinnern Sie sich, daß man früher in der Schule durch Chorsprechen
Griechisch und Latein gelernt hat! Diese Methode war gehirngerecht, wurde aber leider abgeschafft. Gottseidank können Sie dank der modernen Technik (z.B. mit Kassetten) im Chor sprechen, so daß Sie keine Klasse dazu brauchen.Zuerst wird die Lautstärke des Wiedergabegerätes höher gestellt,
während Sie leise mitsprechen. Nach einer Weile verringern Sie allmählich die Lautstärke der Kassette, während Sie mit wachsender Sicherheit lauter sprechen, bis Sie am Ende die Muttersprachler auf der Kassette nicht mehr benötigen. Übrigens: Zu diesem Zeitpunkt sind die Lerner im allgemeinen in der Lage, die Lektion auswendig aufzusagen. Das bedeutet: Alles, was irgend jemand in der Lektion sagt (denkt), kannunser Lerner ebenfalls mit absoluter Sicherheit in der Zielsprache sagen (oder denken)!Manche wollen das, was sie sagen, auf eine andere Kassette aufnehmen. Tun Sie dies bitte erst am Ende des vierten Lernschrittes (wenn Sie diesen Teil der Lektion beherrschen). Es ist wichtig, nicht zu früh mit dem Aufnehmen zu beginnen (wie im traditionellen Sprachlabor), weil der Muttersprachler auf der Kassette Ihr Vorbild bleiben muß. Wenn Sie aber Ihre eigenen ersten Versuche zum Vorbild machen, dann werden Sie sich einen Akzent antrainieren!

Das Schatten-Sprechen©

Falls man es noch nicht wagt, die Chor-Methode zu versuchen, kann man das „Schattensprechen“ probieren: Sie hören der Kassette zu und sprechen den Text etwa ein bis zwei Silben später als die Muttersprachler, die Sie hören. Beachten Sie:Üben Sie diese Technik zuerst in Ihrer Muttersprache. Es dauert einige Minuten, bis Sie sich daran gewöhnt haben. Das Verfahren ähnelt der Art, wie ein Dolmetscher spricht, wenn er der Person „hinterherjagt“, deren Aussagen er übersetzt.Die Technik des „Schattensprechens“ ist besonders hilfreich, wenn die Zielsprache sich in der Tonalität völlig von der Muttersprache unterscheidet (z.B. wenn Sie Arabisch oder Chinesisch lernen).

Das Lücken-Sprechen©

Kopieren Sie interessante Teile der Lektion und übermalen Sie einige Worte mit Tipp-Ex. Geben Sie später den Text wieder, indem Sie die Lücken ergänzen. Die Erfahrung hat gezeigt, daß diese Übung zu sehr schönen Erfolgsgefühlen führt, weil sie (nach der guten Vorbereitung der Schritte 1 bis 3 zuvor) so leicht ist!

Lesen (Zielsprache)

Diese Lese-Übung gleicht zunächst dem Hören/Aktiv (Schritt 2), allerdings mit einem gewaltigen Unterschied. Wenn Sie lesen lernen wollen, nachdem Ihnen Inhalt, Aussprache etc. bereits völlig vertraut sind, gehen Sie wie folgt vor: Wiederholen Sie Schritt 2, aber mit einem wesentlichen Unterschied: Damals hatten Sie nur das De-Kodierte (die Wort-für-Wort Übersetzung) mitgelesen, während Sie jetzt bewußt den zielsprachigen Text mit den Augen verfolgen. Dabei sehen Sie die De-Kodierung unbewußt, was eingangs hilfreich ist.Am Anfang drücken Sie so oft Sie wollen die Pause-Taste. Nach einer Weile sind keine Stops mehr nötig. Jetzt können Sie den Originaltext in der Zielsprache mitlesen (ohne De-Kodierung), und danach können Sie den Text alleine lesen, ohne die Kassette zu hören, während Sie allesverstehen und den richtigen Klang der Wörter kennen, selbst wenn Sie
(zu dieser Zeit) noch kein einziges Wort aktiv gesprochen haben. Wenn Sie das mit der Schule vergleichen …

Schreiben (Zielsprache)

  • Diktat: Benutzen Sie für Diktat-Übungen die Kassette.
  • Die Lücken füllen (beim Schreiben).

Ablauf: Vgl. Lücken sprechen. Zuerst werden Sie die Wörter im Originaltext öfter überprüfen, aber bald werden Sie in der Lage sein, die Lücken ausgezeichnet zu ergänzen. Die Erfahrung hat gezeigt, daß auch diese Übung zu einem sehr befriedigenden Anwachsen des Selbstwertgefühls führt.

PS: Vgl. Sie dazu auch Probleme mit dem Lesen?, denn: Lese-Probleme in der Ziel-Sprache lassen sich am besten durch Schreiben lösen

Advertisements

Ein Kommentar

Eingeordnet unter ABC-Beitraege

Eine Antwort zu “Sprachen lernen leicht gemacht – gehirn-gerecht für Autodidakten

  1. Pingback: Birkenbihl-denkt » Fragen zum Seminar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s