NLLS: NICHT-LERN LERN-STRATEGIEN


Vera F. Birkenbihl

In meinem DVD-Live-Mitschnitt Von Nix kommt nix! habe ich sie zum erstenmal vorgestellt: NLLS, das sind NICHT-LERN LERN-STRATEGIEN (neudeutsch: NON-LEARNING LEARNING STRATEGIES). Damals gab es gerade einmal zehn, aber inzwischen habe ich weit mehr entwickelt (s. Hinweise am Ende des Beitrags). Die Grundidee ist einfach und basiert auf drei fundamentalen Einsichten:

  1. Unser Gehirn ist ein LERN-ORGAN par excellence.
  2. Scheint BEGREIFEN „schwer“ zu sein, liegt es fast IMMER an der Vermittlung. Zum Beispiel: Sie lesen das Inhaltsverzeichnis einer Zeitschrift und springen spontan zu einem Artikel, der Sie „reizt“ (dessen Überschrift Ihr Interesse geweckt hat). Auf der Seite erkennen Sie an einem Bild, daß es der richtige Beitrag ist, und beginnen zu lesen. Leider beschleicht Sie langsam, aber sicher das Gefühl, wohl ein wenig „doof“ zu sein, denn irgendwie fällt es Ihnen schwer, zu verstehen, was da steht. Frustriert klappen Sie das Heft zu. Leider haben Sie nicht gemerkt, daß Sie einem relativ häufigen ETIKETTENSCHWINDEL aufgesessen sind: Die Überschrift vorn entspricht nicht der hinten, aber das merken wir oft nicht. Vorn steht z.B. der „Aufmacher“: ADHS – OHNE MEDIKAMENTE? Das interessiert Sie. Nun lesen Sie hinten von einem NEUEN MEDIKAMENT, es gibt einen Halbsatz, daß manche Kinder es auch ohne Medikamente (mit einer anderen Therapie) schaffen, aber für all die vielen, bei denen das nicht geht, bedeutet das neue Medikament eine große Erleichterung, da der Wirkstoff nicht nur wenige Stunden, sondern über einen längeren Zeitraum „freigegeben“ wird, bla bla bla. Genaugenommen handelt es sich um eine jener vielen Pseudoartikel (= indirekte Werbung), die in den letzten Jahren immer mehr zunehmen. Wenn Sie auf der betreffenden Seite noch einmal nachsehen, dann merken Sie, daß die Überschrift hier nicht mehr lautet „ohne Medikament“, sondern daß hier steht „neues Medikament“ – aber so etwas übersehen wir oft. Abgesehen davon, daß das einem Betrug sehr nahe kommt, löst es unnötige „Verständnisprobleme“ beim Leser aus!
  3. Wirkt LERNEN „schwer“, liegt es an den Methoden (z.B. hirnloses PAUKEN!). Sie kennen vielleicht die sogenannte „Lernkurve“ nach EBBINGHAUS, bei der die Kurvenlinie erst ein wenig hinauf, dann nur noch ABWÄRTS geht. Leider gilt sie als das Nonplusultra der Lernforschung, das heißt, man geht davon aus, es müsse so sein. Damit „beweist“ man immer wieder, wie „schwer“ Lernen doch eigentlich ist. Alles gelogen! Was EBBINGHAUS 1885 bewies, ist, daß das PAUKEN von SINNLOSEN INFOS so gut wie unmöglich ist und daß die übliche Methode (ständige Wiederholungen) ein wenig hilft, SINNLOSES ZEUG zu „lernen“ (es ist PAUKEN), wiewohl dies mit echtem Lernen nichts zu tun hat. Genaugenommen stellt diese angebliche Lernkurve eine Vergessenskurve dar! Ich weise seit Jahrzehnten darauf hin, daß echte LERNKURVEN immer EXPONENTIELL sind, das heißt, sie sind (pro Thema) bei neuen Infos noch flach, steigen später ein wenig an, bleiben flach-steigend, bis sich die Kurve langsam krümmt, und werden dann exponentiell. Im Klartext: Jetzt lernen wir in zwei Stunden mehr als zuvor in zwei Monaten! Aber solange die Menschen der EBBINHAUS‘schen Kurve „aufsitzen“ und nicht wagen, sie zu hinterfragen (Lernen kann auch leicht, mühelos, ja ausgesprochen spannend sein), so lange werden sie es nicht wagen, es (wieder) zu versuchen. Das ist m.E. der Grund für die tiefe Abneigung gegen Lernen in diesem unserem Lande (der Dichter und Denker)! Das betrifft auch zahllose Schüler aus sogenannten bildungsfernen (oft sogar bildungsfeindlichen) Familien, die in unserem Bildungssystem überhaupt keine Chance haben. Näheres hierzu in meinem DVD-Mitschnitt des 3. Abends (Karlsfelder Trilogie 2008).

Wenn man gehirn-gerecht vorgeht, kann man davon profitieren, daß das Gehirn nicht nur lernen will sondern sogar lernen MUSS (vgl. Beitrag NEUROGENESE). Hören wir auf, ständig zu lernen, droht Depression sowie auf Dauer die Unfähigkeit zu lernen, die dann erst wieder weg-trainiert werden muß – Sie ahnen es, durch Lernaufgaben!

Mit den NLLS habe ich eine Reihe von Techniken entwickelt, die es uns leichter machen, wieder einzusteigen (beziehungsweise anderen beim Einsteigen zu helfen). So können wir z. B. Daten, Fakten und Infos mit ABC-Listen  oder KaWa.s schnell und leicht „erstverarbeiten“ oder später intelligent „wiederholen“ (indem wir sie aktiv erneut konstruieren und sehen, wo wir noch Probleme damit haben). Wir können lernen, WQS einzusetzen, wobei schon das Erstellen einen wichtigen Teil des Lern-Prozesses darstellt.

vfb-Werke hierzu:

39 NLLS finden sich in meinem Buch Trotzdem lehren
beziehungsweise für Leute, die nicht gern/gut lesen, in der abgespeckten „Teilmenge“ Trotzdem lernen

Einige (weitere) finden sich in dem Hosentaschenbüchlein Lernen lassen!: Mit 17 konkreten Methoden, Tricks und Lernspielen

Auch das Hosentaschenbüchlein Eltern-Nachhilfe: Die häufigsten Irrtümer über Schule und Lernen. Dieses Büchlein enthält hilfreiche Techniken und vor allem einige wichtige Hinweise für (Groß-)Eltern und ErzieherInnen.

Nicht zuletzt sei hier auch das Hosentaschenbüchlein 30 Minuten. So erstellt man Wissens-Quiz-Spiele“  sowie das E-Book: WQS-Training – WissensQuizSpiel genannt. Mit letzterem erhalten Sie für 10 Euro das Äquivalent eines ganzen Trainingstags.

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